Jaromir.
Weib,
Schweig und reiz mich länger nicht!
Du hast mich nur mild gesehn,
Aber wenn die finstre Macht
In der tiefen Brust erwacht
Und erschallen läßt die Stimme,
Ist ein Leu in seinem Grimme
Nur ein Schoßhund gegen mich;
Blut schreit's dann in meinem Innern,
Und der Nächste meinem Herzen
Ist der Nächste meinem Dolch.
Darum schweig!

Ahnfrau (mit starker Stimme).
Wo ist dein Vater!

Jaromir.
Ha!
Wer heißt mich dir Rede stehn?—
Wo mein Vater?—Weiß ich's selbst?
Meinst du jenen bleichen Greis
Mit den heil'gen Silberlocken?
Sieh, den hab ich eingesungen,
Und er schläft nun, schläft nun, schläft!

(Die Hand auf die Brust gepreßt.)

Manchmal, manchmal regt er sich,
Aber legt sich wieder nieder,
Schließt die schweren Augenlider
Und schläft murrend wieder ein.—
Aber Mädchen, narrst du mich?
Komm mit mir, hinaus ins Freie!
Schüttelst du dein bleiches Haupt?
Eidvergeßne, Undankbare,
Lohnst du so mir meine Liebe,
Lohnst du so was ich getan?
Was mir teuer war hienieden,
Meiner Seele goldnen Frieden,
Welt und Himmel setzt' ich ein
Um dich mein zu nennen, mein!
Kenntest du die Höllenschmerzen,
Die mir nagen tief im Herzen,
Fühltest du die grimme Pein,
Könntest Reine du es wissen,
Was ein blutendes Gewissen,
O du würdest milder sein,
O du sagtest jetzt nicht: Nein!

Ahnfrau.
Kehr zurück!

Jaromir.
Ha, ich? zurück?
Nimmermehr! Nicht ohne dich,
Geh ich, Weib, so folgst du mir.
Und wenn selbst dein Vater käme,
Und dich in die Arme nähme,
Mit der grassen Todeswunde,
Die mit offnem, blut'gem Munde,
Mörder! Mörder! zu mir spricht,
Meiner Hand entgingst du nicht.

Ahnfrau.
Kehr zurück!

Jaromir.
Nein, sag ich, nein!

(Man hört eine Türe aufsprengen.)