König.
Ich glaube, daß du ehrst des Königs Wort,
Der, was er schützte, unbelästigt wünscht.
Allein Gewohnheit ist des Menschen Meister
Und unser Wille will oft, weil er muß.
Drum geht nur jetzt. Was aber treibt dein Schützling?

Garceran.
Zum Anfang war ein Weinen ohne Maß,
Allein die Zeit bringt Trost, pflegt man zu sagen,
So war's auch hier, vorbei der erste Schreck,
Fand Munterkeit, ja Scherz sich wieder ein.
Man sah nun erst das schimmernde Gerät,
Die Seide der Tapeten ward bewundert,
Des Vorhangs Stoff nach Ellen abgeschätzt,
Man hat sich eingerichtet und ist ruhig.

König.
Und scheint sie sich zu sehnen nach der Heimat?

Garceran.
Beinah, und manchmal wieder scheint es, nein.
Doch leichter Sinn grämt sich nicht gern voraus.

König.
Du hast doch nicht versäumt, der Worte Köder
Nach ihr auch auszuwerfen nach Gewohnheit?
Wie nahm sie's auf?

Garceran.
Nu, Herr, nicht eben schlimm.

König.
Du lügst!—Im Grunde bist du glücklich, Mensch!
Schwebst wie ein Vogel durch die heitern Lüfte
Und senkst dich nieder, wo die Beere lockt
Und weißt zu finden dich beim ersten Blick.
Ich bin ein König und mein Wort erschreckt,
Doch wär' ich selbst erschrocken, stünd' ich irgend
Genüber einem Weib zum erstenmal.
Wie fängst du's an? Belehre mich ein wenig
Ich bin ein Neuling in dergleichen Dingen,
Nicht besser als ein großgewachsnes Kind.
Da wird geseufzt?

Garceran.
Pfui, Herr, das wär' veraltet!

König.
Nun denn geblickt? Und Junker Gänsrich schaut
Bis Dame Gänschen wieder schaut. Nicht so?
Dann nimmst du wohl die Laute gar zur Hand
Genüber dem Balkon, wie etwa hier,
Und singst ein krächzend Lied, wozu der Mond,
Ein bleicher Kuppler, durch die Bäume funkelt,
Und Blumenkelche duften süßen Rausch
Bis nun der günst'ge Augenblick erscheint,
Der Vater, Bruder,—oder Gatte gar
Das Haus verläßt, auf etwa gleichen Pfaden
Und nun die Zofe winkt ihr leises: pst!
Da trittst du ein und eine warme Hand
Ergreift die deine, führt dich durch die Gänge
Die dunkel wie das Grab und endlos gleitend
Den Wunsch erhöhn, bis endlich Ambraduft
Und bleicher Schimmer, durch die Ritzen dringend
Bezeichnen, daß erreicht das holde Ziel.
Die Tür geht auf, und hell im Kerzenschimmer,
Auf dunkeln Samt die Glieder hingegossen,
Den weißen Arm umkreist von Perlenschnüren,
Lehnt weichgesenkten Hauptes die Ersehnte,
Die goldnen Locken—nein, ich sage, schwarz!—
Des Hauptes Rabenhaar—und so denn weiter!
Du siehst, ich bin gelehrig, Garceran,
Und da gilt gleich denn: Christin, Maurin—Jüdin.

Garceran.
Auf Maurinnen sind Streiter wir der Grenze
Zu Recht verwiesen, doch die Jüdin, Herr—