Rahel (zu Esther, die sich mit ihr beschäftigt).
Ich wäre nicht gewichen, galt's den Tod.

Esther (zu Garceran).
Nun aber bringt uns fort, wir bitten Euch.

Garceran.
Erst frag ich noch den König, was sein Wille.
(An die Seitentüre pochend.)
Mein hoher Herr!—Wie nur? Kein Zeichen!—Sollte
Ein Unfall?—Wie denn immer auch, ich öffne.

(Der König tritt heraus und bleibt im Vorgrunde stehen, indes die andern sich zurückziehen.)

König.
So ist die Ehre und der Ruf der Welt
Kein ebner Weg, auf dem der schlichte Gang
Die Richtung und das Ziel den Wert bestimmt;
Ist's nur des Gauklers ausgespanntes Seil
Auf dem ein Fehltritt von der Höhe stürzt
Und jedes Straucheln preisgibt dem Gelächter?
Muß ich, noch gestern Vorbild aller Zucht,
Mich heute scheun vor jedes Dieners Blicken?
Dann fort mit dir, du Buhlen um die Gunst!
Bestimmen wir uns selber unsre Pfade.
(Sich umwendend.)
Wie, ihr noch hier?

Garceran.
Wir harren des Befehls.

König.
Hättst du doch immer des Befehls geharrt
Und wärst geblieben an der fernen Grenze.
Ansteckend ist dein Beispiel, Garceran.

Garceran.
Gerechte Fürsten strafen jeden Fehl,
Den eignen selbst. Allein, da selber straflos,
Trifft andre gern das Zürnen ihrer Brust.

König.
Ich bin kein solcher, Garceran. Sei ruhig!
Wir bleiben dir wie früher zugetan.
Doch nun bring diese fort, und zwar auf immer.
Was andern Laune ist beim Fürsten Schuld.
(Da Rahel sich ihm nähert.)
Laß nur! Doch dieses Bild leg erst noch ab
Stell es zurück, von wo es ward genommen,
Ich will's. Drum zögre nicht.

Rahel (zu Esther).
So komm du mit.
(Indem sich beide der Seitentüre nähern.)
Trägst du mein eigen Bild wie sonst am Halse?