Rahel.
Ah du, mein Schwesterlein! Sei mir gegrüßt!
Fort mit der Mummerei! Nur schnell, nur schnell!
Ihr reißt den Kopf mir mit! Seid Ihr nicht tölpisch!
(Ihr entgegeneilend.)
Willkommen noch einmal, o Schwester mein
Wie hab ich mich gesehnt nach deiner Nähe!
Und bringst du mir das Armband und die Spangen,
Die Salben mir und Wohlgerüche mit,
Die in Toledo feil und ich bestellt?

Esther.
Ich bringe sie, zugleich mit schwerern Dingen,
Mit übler Nachricht, die gar böser Schmuck.

Erlauchter Herr und Fürst! Die Königin
Hat von Toledos Mauern sich entfernt
Nach jenem Lustschloß wo zum erstenmal
Zu unserm Unheil, Herr, wir Euch gesehn.
(Zu Garceran.) Zugleich mit ihr ging Euer edler Vater
Manrique Lara, rings mit offnen Briefen
Bescheidend all des Reiches Standesherrn
Um zu beraten das gemeine Beste.
Als wäre herrenlos das Königreich
Und Ihr gestorben, der Ihr Herr und König.

König.
Ich denke wohl du träumst.

Esther.
Ich wache, Herr.
Vor allem für das Leben meiner Schwester
Die man bedroht und die zuletzt das Opfer.

Rahel.
O weh mir, weh! Bat ich Euch denn nicht längst
Zu scheiden, Herr, zurückzugehn an Hof
Und dort zu stören meiner Feinde Trachten?
Allein Ihr bliebt. Seht, hier sind Eure Waffen:
Der Helm, der Schild und dort der lange Speer.
Ich sammle sie.—Doch ich vermag es nicht.

König (zu Esther).
Sorg du für jene Törin, die sich zehnmal
In jedem Atemzuge widerspricht.
Ich will an Hof; doch brauch ich keiner Waffen.
Mit offner Brust, mit unbewehrtem Arm
Tret ich in meiner Untertanen Mitte
Und frage: wer sich aufzulehnen wagt.
Sie sollen wissen daß ihr Herr noch lebt
Und daß die Sonne tot nicht wenn es Abend
Daß sie am Morgen neu sich strahlend hebt.
Du folgst mir Garceran!

Garceran.
Seht mich bereit.

Esther.
Doch Herr, was wird aus uns?

Rahel.
O bleibt doch, bleibt!