Königin (in Tränen ausbrechend).
O Gott und Vater!

König.
Lenore, diese Hand ist nicht verpestet.
Zieh ich in Krieg, wie ich denn soll und muß,
So wird sie Feindes Blut vollauf bedecken,
Doch klares Wasser tilgt den Makel aus
Und rein werd ich sie bringen zum Willkomm.
Das Wasser nun der körperlichen Dinge
Hat für die Seelen geistigen Ersatz.
Du bist als Christin glaubensstark genug,
Der Reue zuzutrauen solche Macht.
Wir andern, die auf Tätigkeit gestellt,
Sind so bescheidnem Mittel nicht geneigt,
Da es die Schuld nur wegnimmt, nicht den Schaden,
Ja, halb nur Furcht ist eines neuen Fehls.
Wenn aber beßres Wollen, freudiger Entschluß
Für Gegenwart und für die Zukunft bürgt,
So nimm's, wie ich es gebe, wahr und ganz.

Königin (beide Hände hinhaltend).
O Gott, wie gern!

König.
Nicht beide Hände!
Die Rechte nur, obgleich dem Herzen ferner,
Gibt man zum Pfand von Bündnis und Vertrag,
Vielleicht um anzudeuten, nicht nur das Gefühl,
Das seinen Sitz im Herzen aufgeschlagen,
Auch der Verstand, des Menschen ganzes Wollen
Muß Dauer geben dem was man versprach;
Denn wechselnd wie die Zeit ist das Gefühl,
Was man erwogen bleibt in seiner Kraft.

Königin (die Rechte bietend).
Auch das! Mein ganzes Selbst.

König.
Die Hand, sie zittert.
(Sie loslassend.)
Ich will dich nicht mißhandeln, gutes Weib.
Und glaube nicht, weil minder weich ich spreche,
Ich minder darum weiß, wie groß mein Fehl
Und minder ich verehre deine Güte.

Königin.
Verzeihn ist leicht, begreifen ist viel schwerer.
Wie es nur möglich war. Ich faß es nicht.

König.
Wir haben bis vor kurz gelebt als Kinder.
Als solche hat man einstens uns vermählt
Und wir, wir lebten fort als fromme Kinder;
Doch Kinder wachsen, nehmen zu an Jahren
Und jedes Stufenalter der Entwicklung
Es kündet an sich durch ein Unbehagen
Wohl öfters eine Krankheit, die uns mahnt,
Wir sei'n dieselben und zugleich auch andre
Und andres zieme sich im Nämlichen.
So ist's mit unserm Innern auch bestellt,
Es dehnt sich aus, und einen weitern Umkreis
Beschreibt es um den alten Mittelpunkt.
Solch eine Krankheit haben wir bestanden!
Und sag ich: wir, so mein ich, daß du selbst
Nicht unzugänglich seist dem innern Wachstum.
Laß uns die Mahnung stumpf nicht überhören!
Wir wollen künftighin als Kön'ge leben,
Denn, Weib, wir sind's. Uns nicht der Welt verschließen
Noch allem was da groß in ihr und gut,
Und wie die Bienen, die mit ihrer Ladung
Des Abends heim in ihre Zelle kehren,
Bereichert durch des Tages Vollgewinn
Uns finden in dem Kreis der Häuslichkeit,
Nun doppelt süß durch zeitliches Entbehren.

Königin.
Wenn du's begehrst, ich selbst vermiß es nicht.

König.
Du wirst's vermissen dann in der Erinnrung
Wenn du erst hast, woran man Werte mißt.
Nun aber laß Vergangnes uns vergessen!
Ich liebe nicht, daß man auf neuer Bahn
Den Weg versperre sich durch dies und das,
Durch das Gerümpel eines frühern Zustands.
Ich spreche mich von meinen Sünden los,
Du selbst bedarfst es nicht in deiner Reinheit.