Königin.
Nicht so! nicht so! Oh, wüßtest du, mein Gatte,
Was für Gedanken, schwarz und unheilvoll,
Den Weg gefunden in mein banges Herz.
König.
Wohl etwa Rachsucht gar? Nun um so besser,
Du fühlst dann, daß Verzeihen Menschenpflicht
Und niemand sicher ist, auch nicht der Beste.
Wir wollen uns nicht rächen und nicht strafen,
Denn jene andre, glaub, ist ohne Schuld
Wie's die Gemeinheit ist, die eitle Schwäche,
Die nur nicht widersteht und sich ergibt.
Ich selber trage, ich, die ganze Schuld.
Königin.
O laß mich glauben, was mich hält und tröstet.
Der Mauren Volk und all, was ihnen ähnlich,
Geheime Künste üben sie, verruchte,
Mit Bildern, Zeichen, Sprüchen, bösen Tränken
Die in der Brust des Menschen Herz verkehren
Und seinen Willen machen untertan.
König.
Umgeben sind wir rings von Zaubereien,
Allein wir selber sind die Zauberer.
Was weit entfernt, bringt ein Gedanke nah,
Was wir verschmäht, scheint andrer Zeit uns hold,
Und in der Welt voll offenbarer Wunder
Sind wir das größte aller Wunder selbst.
Königin.
Sie hat dein Bild.
König.
Sie soll es wiedergeben
Und heften will ich's sichtlich an die Wand
Und drunter schreiben für die späten Enkel:
Ein König, der an sich nicht gar so schlimm,
Hat seines Amts und seiner Pflicht vergessen.
Gott sei gedankt, daß er sich wiederfand.
Königin.
Allein du selber trägst an deinem Hals—
König.
Ja so! ihr Bild? Ward dir das auch schon kund?
(Er nimmt das Bild mit der Kette vom Halse und legt es auf den Tisch
rechts im Vorgrunde.)
So leg ich es denn hin, und mög' es liegen
Ein Blitz, der nicht mehr schädlich nach dem Donner.
Das Mädchen aber selbst, sie sei entfernt!
Mag dann mit einem Mann sie ihres Volks—
(von vorn nach rückwärts auf und nieder gehend, in Absätzen stehenbleibend)
Ob das zwar nicht.—Die Weiber dieses Stamms
Sind leidlich, gut sogar.—Allein die Männer
Mit schmutz'ger Hand und engem Wuchersinn,
Ein solcher soll das Mädchen nicht berühren.
Am Ende hat sie Bessern angehört.—
Allein was kümmert's uns?—Ob so, ob so,
Wie nah, wie fern!—Sie mögen selber sorgen.
Königin.
Doch wirst du stark auch bleiben, Don Alfonso?