Ferdinand. Er ist nur eben abgereist nach Kufstein.
Mathias. In diesem Augenblick? Ist er von Sinnen?
Ferdinand. Gerad in diesem Augenblick, mein König.
(Auf das Kabinett zeigend.)
Gefällt's Euch hier ins Innre einzutreten,
So leg ich Euch die Gründe dienstlich vor.
Mathias (streng).
Sprecht öffentlich, damit ich offen richte.
Ferdinand (Schriften aus dem Mantel ziehend, halblaut).
Die Briefe hier von Baiern, Spanien, Rom,
Den einz'gen Stützen unsrer guten Sache,
Die nur auf die Entfernung dieses Manns
Den Beistand uns verheißen, den wir brauchen.
Hier Oberst Wallenstein, er kommt aus Prag
Und meldet uns, daß dort der Aufstand rege.
Die Andersgläubigen der andern Länder,
Erwarten nur das Zeichen solchen Ausbruchs,
Um zu vereinen sich zu gleichem Trotz.
Glaubt Ihr, daß wir mit unsern eignen Kräften
(auf die Schriften zeigend)
Nicht unterstützt von gleichgesinnten Mächten,
Dem Sturm gewachsen der uns rings bedroht?
Mathias. Wär' Klesel hier er wüßte des wohl Rat.
Ferdinand. Er ist kaum auf dem Weg. Geliebt es Euch,
So bringen Boten ihn noch heut zurück.
Allein alsdann verzeiht, wenn ich mich selbst
Vereine mit den Schreibern dieser Briefe,
Zurück mich ziehend in mein stilles Land.
(Mit gebeugtem Knie die Schriften hinhaltend.)
Mathias (die Schriften ihm heftig aus der Hand nehmend).
Wir wollen sehn!—Herr Oberst Wallenstein
Ihr kommt von Prag. Wie steht es mit dem Kaiser?
(Mit einem Seitenblicke auf Erzherzog Ferdinand.)
Ich fühle mich nur jetzt an ihn gemahnt.
Wallenstein. Er ward so oft im Leben totgesagt,
Daß nun auch kaum man den Gerüchten glaubt,
Die unheilkündend sich vom Schloß verbreiten.
Doch überholt' ich an der Taborbrücke
Ein Sechsgespann mit kaiserlichem Wappen
Und Herren drin in Schwarz, vielleicht in Trauer.
Hier sind sie deucht mich; hört die Antwort selbst.
(Herzog Julius von Braunschweig und einige Hofleute, die reichverzierte
Kleinodien-Gehäuse tragen, sämtlich in Trauer, treten ein.)