Mathias (der vom Balkon zurückkommt).
Was sprechen sie von Krieg und dreißig Jahren?
Ich werd es nicht erleben. Glück genug.
Und übrall Lärm. Ich aber brauchte Stille
Tönt's doch in meinem Innern laut genug;
Und wieder öde, daß kein Widerhall
Des allgemeinen Jubels rückerklingt.
Am Ziel ist nichts mir deutlich als der Weg,
Der kein erlaubter war und kein gerechter.
(Sein Blick trifft die Reichskleinodien, er wendet die Augen ab.)
O Bruder, lebtest du und wär' ich tot!
Gekostet hab ich was mir herrlich schien,
Und das Gebein ist mir darob vertrocknet,
Entschwunden jene Träume künft'ger Taten,
Machtlos wie du wank ich der Grube zu.

Ich will ins Freie, mich zerstreun—und doch,
Wie ein Magnet ziehts mir die Augen hin
Und täuscht mit Formen, die nicht sind, ich weiß.
Reicht denn dein Haß herüber übers Grab,
Selbst nach der Strafe noch?

(Lärm und Musik von neuem aus der Ferne.)

Mathias (gegen den Tisch gekehrt in einiger Entfernung niederkniend und
wiederholt die Brust schlagend).
Mea culpa, mea culpa,
Mea maxima culpa

Von der Straße. Vivat Mathias!

(Indem das Vivatrufen fortwährt und Mathias das Gesicht mit beiden Händen bedeckt fällt der Vorhang.)

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