Rumpf. Das Urteil.
(Er reicht die Schrift dem Kaiser, der sie zurückweist.)
Rumpf. Guter Gott!—Beliebt vielleicht
Eu'r Majestät hochgnädig zu bestimmen
Was Dero Absicht mit so wicht'ger Schrift?
(Der Kaiser nimmt das Paket, liest hohnlachend die Aufschrift und gibt es zurück.)
Rumpf. Ich weiß recht wohl: die äußre Fert'gung lautet
An Rat und Schöffen Eurer Altstadt Prag.
Doch, wenn das Urteil wirklich unterschrieben,
Wie ich vermuten sollte—
(Der Kaiser stößt unwillig mit dem Stocke auf den Boden.)
Don Cäsar. Gnäd'ger Herr!
Ich muß Euch bitten für zwei Augenblicke
Die feindlich düstre Laune aufzugeben,
Die sich in diesem Schweigen wohlgefällt.
Bedenkt: kommt dieses Urteil so gefertigt
Und unterschrieben auf das Prager Schloß,
So stirbt mein Freund.
Rudolf. Er stirbt!—Und du mit ihm,
Wagst ferner du's ein Wort für ihn zu sprechen.
Entarteter! Ich kenne deine Wege.
Du schwärmst zu Nacht mit ausgelaßnen Leuten,
Stellst nach den Kindern ehrbar stiller Bürger,
Hältst dich zu Meutern, Lutheranern.
Don Cäsar. Meuter
Hab ich mit meiner Freundschaft nie beehrt.
Und was den Glauben, Herr, betrifft, da richtet
Nur Gott.
Rudolf. Ja Gott und du. Ihr beide, nicht wahr?
Glaub du an das was deine Lehrer glaubten,
Die Weiseren, die Bessern laß entscheiden,
Dann kommt's wohl noch an dich.—Der Rußworm stirbt!
Und dank es Gott und einem Rest von Neigung,
Daß ich die Helfer, sie die darum wußten
Die lobten, billigten den feigen Mord
An Belgiojoso freventlich vollbracht,
Nicht ebnermaßen suche mit dem Schwert.—
Das Mädchen, dem du nachstellst, wüsten Sinns,
Laß frei!