Don Cäsar. Ehrbare Mädchen? Ha sie täuscht dich Alter,
So wie sie mich getäuscht und alle, alle Welt!
Wohin nur geht ihr? Ja, zur Kirche wohl!
Da weift sie ab die volle Sündenspule,
Um neue drauf zu winden, still bemüht.
Warum gehst du in Schwarz? Dir starb kein Blutsfreund.
Register führ ich über alles Unheil,
Das dich bedroht und das dich schon betraf.
Kein Blutsfreund starb dir. Warum denn in Schwarz?
Klagst du ob dem, den dieser Mann erschlug?
Sprich ja, und dieses Schwert—O Nacht und Greuel!
Warum in Schwarz?

Prokop. Komm laß uns gehn mein Kind!

Don Cäsar. Geh nicht, und du!—Bleib noch!—Lukrezia!
(Prokop mit seiner Tochter ab.)
Ich will ihr nach!—Und doch!—Rußworm verzeih,
Mich übermannte, blendete der Zorn.
Doch soll darob nicht deine Sache leiden.
Zum Kaiser geh ich, fordre deine Freiheit,
Und weigert er's—Glaub nur, er wird es nicht!—
So werf ich vor ihm ab die Gnaden alle,
Die Lasten, die mir seine Laune schuf,
Gönn andern das Bemühn ihm zu gefallen
Und such in Ungarn Türkensäbel auf.
Leb wohl! Ihr andern aber merkt euch dieses Wort:
Wird ihm ein Haar gekrümmt, eh' neue Botschaft,
Des Kaisers eigener Befehl es heischt,
Zahlt euer Kopf für jede rasche Regung
(Im Vorübergehen vor Lukrezias Hause.)
Haus, sei verdammt, du Hölle mir von je! (Ab.)

(Rußworm wird nach der andern Seite abgeführt.)

Verwandlung
Saal im kaiserlichen Schlosse zu Prag.

Durch die Mitteltüre treten Hofleute auf, die sich im Hintergrunde zerstreuen. Ein Kämmerer kommt durch den Haupteingang, hinter ihm Klesel und Erzherzog Mathias.

Klesel. Ich bitt Euch, Herr!

Kämmerer. Fürwahr, es kann nicht sein.

Klesel. Ein Augenblick Gehör.

Kämmerer. Sie sind beschäftigt.