Julius (der den Kittel ausgezogen und auf einen Stuhl gelegt hat).
Doch wird das Band nun locker, Majestät?

Rudolf. Mein Name herrscht, das ist zur Zeit genug.
Glaubst: in Voraussicht lauter Herrschergrößen
Ward Erbrecht eingeführt in Reich und Staat?
Vielmehr nur: weil ein Mittelpunkt vonnöten,
Um den sich alles schart was Gut und Recht
Und widersteht dem Falschen und dem Schlimmen,
Hat in der Zukunft zweifelhaftes Reich
Den Samen man geworfen einer Ernte,
Die manchmal gut und vielmal wieder spärlich.
Zudem gibt's Lagen wo ein Schritt voraus
Und einer rückwärts gleicherweis' verderblich.
Da hält man sich denn ruhig und erwartet
Bis frei der Weg, den Gott dem Rechten ebnet.

Julius. Doch wenn Ihr ruht, ruhn deshalb auch die andern?

Rudolf. Sie regen sich, doch immerdar im Kreis.
Die Zeit hat keine Männer, Freund wie Feind.

Julius. Allein der Krieg in Ungarn?

Rudolf. Der ist gut.
Den Krieg, ich haß ihn als der Menschheit Brandmal
Und einen Tropfen meines Blutes gäb' ich
Für jede Träne, die sein Schwert erpreßt;
Allein der Krieg in Ungarn der ist gut.
Er hält zurück die streitenden Parteien,
Die sich zerfleischen in der Meinung schon.
Die Türkenfurcht bezähmt den Lutheraner,
Der Aufruhr sinnt in Taten wie im Wort,
Sie schreckt den Eifrer meines eignen Glaubens,
Der seinen Haß andichtet seinem Gott.
Fluch jedem Krieg! Doch besser mit den Türken,
Als Bürgerkrieg, als Glaubens-, Meinungsschlachten.
Hat erst der Eifer sich im Stehn gekühlt,
Die Meinung sich gelöst ins eigne Nichts,
Dann ist es Zeit zum Frieden, dann mein Freund,
Soll grünen er auf unsern lichten Gräbern.

Julius. Allein der Friede ward geschlossen.

Rudolf. Ward.
Ich weiß, doch nicht bestätiget von mir,
Und also ist es Krieg bis Gott ihn schlichtet.
Doch daß ich nicht auf Zwist und Streit gestellt—
Siehst du? ich schmelze Gold in jenem Tiegel.
Weißt du wozu?—Es hört uns niemand mein ich.—
Ich hab erdacht im Sinn mir einen Orden,
Den nicht Geburt und nicht das Schwert verleiht,
Und Friedensritter soll die Schar mir heißen.
Die wähl ich aus den Besten aller Länder,
Aus Männern, die nicht dienstbar ihrem Selbst,
Nein, ihrer Brüder Not und bitterm Leiden;
Auf daß sie weithin durch die Welt zerstreut,
Entgegentreten fernher jedem Zwist,
Den Ländergier und was sie nennen: Ehre,
Durch alle Staaten sät der Christenheit,
Ein heimliches Gericht des offnen Rechts.
Dann mag der Türke dräun, wir drohn ihm wieder.
Nicht außen auf der Brust trägt man das Zeichen,
Nein innen wo der Herzschlag es erwärmt,
Es sich belebt am Puls des tiefsten Lebens.
Mach auf dein Kleid!—Wir sind noch unbemerkt.
(Er hat aus der Schublade des Tisches eine Kette mit daranhängender
Schaumünze hervorgezogen.)
Der Wahlspruch heißt: Nicht ich, nur Gott.—Sprich's nach!

Julius (der sein Kleid geöffnet und sich auf ein Knie niedergelassen
hat).
Nun denn. Nicht ich, nur Gott—und Ihr!

Rudolf. Nein wörtlich.