Abgeordneter. Wir baun auf festen Boden, auf die Schrift.

Rudolf. Die Schrift? (Rasch unterschreibend.)
Hier meine Unterschrift. Da ihr
Den toten Zügen einer toten Hand
Mehr traut als dem lebendig warmen Wort,
Das von dem Mund der Liebe fortgepflanzt,
Empfangen wird vom liebedurst'gen Ohr,
Hier schwarz auf weiß.—Und nun noch Blut als Siegel.
Blut ist das rote Wachs, das jede Lüge
Zur Wahrheit stempelt; wenn von Volk zu Volk,
Warum nicht auch von Fürst zu Untertan?
Und nun hinaus, beweisen mit dem Schwert
Was nur der Geist dem Geiste soll beweisen.
Des Reiches Ehre soll und muß bestehn.
Und ist das Tor dem Unheil nun geöffnet,
Ist Mord und Brand geschleudert in die Welt,
Dann denkt einst spät, wenn längst ich modre:
Wir waren auch dabei und haben es gewollt.

(Ein ferner Kanonenschuß.)

Rudolf (zusammenfahrend).
Was ist?—Mein Geist ist stark, mein Leib nur zittert.
(Zu einem Diener der eingetreten ist und sich Rumpf genähert hat.)
Was soll's?

Diener. Man hat den Wall am Wissehrad besetzt
Und schießt auf Truppen, die der Stadt sich nahn.

Rudolf. Man soll nicht schießen!

(Neuer Kanonenschuß.)

Rudolf (mit dem Fuße stampfend).
Soll nicht, sag ich euch!

Stände (die Schwerter ziehend).
Mit Gut und Blut für unsern Herrn und Kaiser!

Rudolf. Da steht's vor mir! Der Mord, der Bürgerkrieg.
Was ich vermieden all mein Leben lang,
Es tritt vor mich am Ende meiner Tage.
Es soll, es darf nicht. Steckt die Schwerter ein,
Vertragt euch mit dem Feind! Und diese Handfest,
Die ihr als Preis des Beistands abgetrotzt,
Sei euch geschenkt.—Ihr selbst Herr Kanzler seht
Was sie begehren draußen vor der Stadt.
Ist es mein Bruder doch, bestimmt zu herrschen,
Wenn mich der Tod, ich hoffe bald, hinwegrafft.
Er übe sich vorläufig in der Kunst,
Der undankbaren, ewig unerreichten,
In der verkehrt was sonst den Menschen adelt:
Erst der Erfolg des Wollens Wert bestimmt,
Der reinste Wille wertlos—wenn erfolglos.
In Böhmen aber will ich ruhig weilen
Und harren bis der Herr mich zu sich ruft.
(Mit einer Entlassungsbewegung gegen die Stände.)
Mit Gott, ihr Herrn!