(Er will ihm die Hand küssen, der Kaiser zieht sie zurück und hält sie, als zum Handschlag, wieder hin.)
Julius (des Kaisers Hand mit beiden fassend).
Nun denn: willkommen!
Mich freut das Wohlsein Eurer Majestät.
(Der Kaiser lacht höhnisch.)
Julius. Nach Wolken, sagt ein Sprichwort, kommt die Sonne,
Die Sonne aller aber ist das Recht.
(Der Kaiser weist mit dem Stabe gen Himmel.)
Julius. Nicht nur dort oben, auch schon, Herr, hienieden.
Denn selbst der Bösewicht will nur für sich
Als einzeln ausgenommen sein vom Recht,
Die andern wünscht er vom Gesetz gebunden,
Damit vor Räuberhand bewahrt sein Raub.
Die andern denken gleich in gleichem Falle
Und jeder Schurk' ist einzeln gegen alle;
Die Mehrheit siegt und mit ihr siegt das Recht.
Wär's anders, Herr, die Welt bestünde nicht
Und alle Bande des gemeinen Wohls
Sie wären längst gelöst von Eigennutz.
In Eurem Fall: glaubt Ihr, des Reiches Fürsten
Sie werden ruhig zusehn dem Verderben hier,
Nicht böses Beispiel für sich selbst befürchten?
Selbst Euer Volk—
(Ein Bürger, nachlässig bewaffnet, die Muskete auf der Schulter tritt von der linken Seite auf, betrachtet die Anwesenden und kehrt auf einen Wink Herzog Julius' wieder zurück. Der Kaiser fährt zusammen.)
Rumpf. Es sind die Wachen—
Die Leibwacht freilich nicht der Königsburg—
Vielmehr die Bürger, die man ausgestellt,
Weil sie behaupten, daß hier vom Hradschin
Den Feind man eingelassen in die Stadt
Und weil man Tor und Pforte will verwahren.
(Der Kaiser droht heftig mit dem Finger in die Ferne.)
Julius. O scheltet nicht den Neffen der Euch liebt!
Erzherzog Leopold, glaubt mir o Herr,
Er fühlt das Unglück tiefer als Ihr selbst.
Er war bei mir als schon der Kampf entschieden
Und bat mich, nassen Augs, ihn zu vertreten
Ob seiner Wagnis, die der Zufall nur,
Ein mißverstandener Befehl vereitelt,
Sonst wart Ihr frei und Herr in Euerm Land.
Er geht nach Deutschland, um des Reiches Stände
Zum Schutze zu vereinen seines Herrn.
Zugleich die andern Fürsten Eures Hauses—
(Zu Rumpf.) Ward es gemeldet schon?
(Auf eine entschuldigende Gebärde Rumpfs.)
Sie sind uns nah.
Sie kommen heut nach Prag um als Vermittler
Zu schlichten diesen unheilvollen Zwist,
Dabei auch, wie Ihr früher selbst begehrt,
Abbittend der verletzten Majestät,
Genugzutun für alles was sie selbst
In guter Meinung früherhin gesündigt.
Die Welt sie fühlt die Ordnung als Bedürfnis
Und braucht nur ihr entsetzlich Gegenteil
In voller Blöße nackt vor sich zu sehn,
Um schaudernd rückzukehren in die Bahn.