(Sie gehen durch die Türe links.)
(Der Kaiser kommt auf Rumpf gestützt, Herzog Julius geht vor ihm her.)

Julius. Verzeiht o Herr, der Wachen Unverstand.
Der Mann, den man zur Obhut hingestellt,
Erkannt' Euch nicht.

(Der Kaiser nickt höhnisch mit dem Kopfe.)

Julius. Er folgte dem Befehl,
Der jedermann den Zutritt untersagte.

(Der Kaiser erblickt den verschlossenen Eingang zum Laboratorium und zeigt mit dem Stocke darauf hin.)

Rumpf (den zurückgeschlagenen Vorhang herablassend).
Besorgnis wohl für Eure Sicherheit,
Man will den Eingang Unberufnen wehren.

Rudolf. Den Eingang? Sag den Ausgang! Mir. Dem Kaiser.
Ich bin's und fühle mich als Herrn, obgleich in Haft.
Drum fort von mir du menschlich naher Schmerz,
Gib Raum dem Ingrimm der verletzten Würde.
Und weißt du wer's getan? Nicht daß mein Bruder
Die Hand erhoben wider meine Krone;
Ich hab ihn nie geliebt und er ist eitel,
Er tat nach seinem Wesen, obgleich schlimm.
(Ans Fenster tretend.)
Doch diese Stadt. Schau wie sie üppig liegt
Geziert mit Türmen und mit edlem Bau
Verschönt durch Kunst was Gott schon reich geschmückt.
Und mein Werk ist's. Hier war mein Königssitz.
Für Prag gab ich das lebensvolle Wien,
Den Sitz der Ahnen seit des Reiches Wiege.
Die heuchlerische Stille tat mir wohl
Weil selbst ich still und heimisch gern in mir.
Gehütet wie den Apfel meines Auges
Hab ich dies Land und diese arge Stadt,
Und während alle Welt ringsum in Krieg,
Lag einer blühenden Oase gleich
Es in der Wüste von Gewalt und Mord.
Doch bist du müde deiner Herrlichkeit
Und stehst in Waffen gegen deinen Freund?
Ich aber sage dir: wie eine böse Beule
Die schlimmen Säfte all des Körpers anzieht,
Zum Herde wird der Fäulnis und des Greuls,
So wird der Zündstoff dieses Kriegs zu dir,
Der lang verschonten nehmen seinen Weg,
Nachdem du ihm gewiesen deine Straßen.
In deinem Umfang kämpft er seine Schlachten,
Nach deinen Kindern richtet er sein Schwert,
Die Häupter deiner Edlen werden fallen,
Und deine Jungfraun, losgebundnen Haars,
Mit Schande zahlen ihrer Väter Schande.
Das sei dein Los und also—fluch ich dir!—
Die du die Wohltat zahlst mit bösen Taten.

Wo ist mein Stock? Die Kniee werden schwach,
Laßt niemand ein! ich höre Stimmen drauß,
Wer immer auch, ein Feind ist's und Verräter.

(Die Erzherzoge Maximilian und Ferdinand erscheinen in der Türe.)

Rumpf. Es sind die Herrn Erzherzoge. O Wonne!