Ferdinand. Nur neulich sprach ich endlich ihn allein,
Nur merkt' ich wohl aus den zerstreuten Blicken,
Die stets er warf nach der Tapetentür,
Daß jemand dort versteckt, der uns behorchte.
Und Ihr wart's, mein ich; leugnet's wenn Ihr könnt.
Klesel. Wär' es geschehn, geschah es auf Befehl:
Gehorchen schließt das Horchen selbst nicht aus.
Ferdinand. Wir aber wollen's länger nicht mehr dulden,
Daß sich ein Fremder eindrängt zwischen uns
Und stört die Einigkeit von unserm Hause.
War's darum daß wir uns Euch angeschlossen
Und gegen ihn den rechten güt'gen Herrn?
So daß die Röte mir der Scham noch jetzt
Indem ich spreche aufsteigt bis zur Stirne.
Da hieß es, daß ein Haupt dem Reich vonnöten,
Daß nur mit festem Tritt und sicherm Aug'
Der Ausweg sei zu finden aus den Wirren,
In denen labyrinthisch geht die Zeit,
Und wir, wir stimmten ein—wär's nie geschehn!
Doch kaum erreicht das langersehnte Ziel,
Gestillt die Gier des Herren und—des Dieners,
Wankt man auf gleichem Irrweg durch den Wald,
Und meint: sich regen sei schon weitergehn.
Klesel. Ihr irrt; ein fester Plan beherrscht das Ganze
Und jeder Schritt führt näher an das Ziel.
Ferdinand. Doch dieses Ziel, sag ich, es ist verderblich.
Ausgleichung heißt's, Gleichgültigkeit für jedes;
Vermengung des was Menschen ist und Gottes.
Sagt selbst ob Euer Herr—
Klesel. Nur meiner?
Ferdinand. Meiner auch.
Doch einen Abstand bildet wohl was nah und nächst.
Sagt selbst: war er nicht heißer Tatendurst,
Zu zügeln kaum und kaum zurückzuhalten,
So lang die Krone lag im Reich der Hoffnung;
Und nun, bedeckt mit ihr als einem Helm
Den Szepter als ein Schwert in seiner Hand
Schläft er auf trägen Purpurkissen ein
Und bringt die Zeiten Kaiser Rudolfs wieder.
Ja schlimmer noch; denn jener war die Waage
Die beide Teile hielt im Gleichgewicht;
Ihr aber legt was Euch noch bleibt an Schwere
Der einen Schale zu, und zwar der schlechten,
Der gottverhaßten, der verderblichen.
Ist nicht halb Österreich noch protestantisch,
Mit Ketzern nicht besetzt ein jeglich Amt.
Die hohe Schule, deren Rektor Ihr,
Ertönt von Worten frecher Kirchenleugner.
Klesel. Wir suchen Wissen bei der Wissenschaft,
Der Glaube wird gelehrt von gläub'gen Meistern.
Ferdinand. Fluch jedem Wissen, das nicht aufwärts geht
Zu aller Wesen Herrn und einz'gem Ursprung.
Klesel. Von oben rinnt der Quell, doch rinnt er nicht zurück,
Wo er das Licht betritt ist er schon Lauf, nicht Quelle.