Ferdinand. Seid Ihr derselbe der, ein Kirchenfürst,
Berufen zur Verteid'gung ihrer Lehre?
Der sie verteidigt auch, o ja ich weiß,
Solang der Kirche Gold und Rang und Ansehn
Euch noch ein Lohn schien, der des Strebens wert,
Und habt, so sagt die Welt, nicht nur von Glaubensschätzen,
Auch von den Schätzen dieser ird'schen Welt
Ein Artiges gehäuft in Euern Speichern.
Klesel. Man sieht sich vor; die Zeiten schlagen um.
Ferdinand. So mag der einzelne vielleicht sich trösten,
Doch für den Staat gibt es kein einzelnes,
Für ihn hängt alles an derselben Kette.
Ja selbst die Mächte, die mit uns vereint,
Die gleichen Wegs mit unsern ebnen Bahnen,
Sie nehmen an der Lauheit Ärgernis
Und ziehen sich zurück. Was bleibt uns dann?
Hispanien, der Papst, das fromme Baiern.
Klesel. Von daher also kommt's? Mein hoher Herr,
Es sorgt ein jeder doch zunächst für sich,
Der Freund ist mehr als meiner noch sein eigner.
Hispanien begehrt die Niederlande
Durch unsern Beistand und mit unserm Blut.
Der Papst ist der Kompaß, des sichre Nadel
Die Richtung anzeigt uns zum fernen Pol;
Allein die Segel stellen und das Ruder brauchen,
Das überläßt er uns; wir hoffen so.
Und endlich Baiern. Arglos frommer Herr,
So seht ihr nicht wohin sein Streben geht?
Ist Östreich erst verworren und geschwächt,
Steht nichts in Weg ihm zu der Kaiserkrone.
Ferdinand. Der Baierfürst hegt gottesfürcht'gen Sinn,
Das Wohl der Kirche sucht er, nicht sein eignes.
Klesel. Will einer erst die Herrschaft Gott verschaffen,
Sieht er in sich gar leicht des Herren Werkzeug
Und strebt zu herrschen, damit jener herrsche,
Auch ist der Seeleneifer und der Eigennutz
Nicht gar so unvereinbar als man glaubt.
Die Überspannung läßt zuweilen nach,
Und wie der Adler, der der Sonne nächst,
Holt er sich Kräftigung durch ird'sche Beute.
Man meint's selbst von der Kurie in Rom.
Ferdinand. Ob Ihr nun sprecht was Euch und mir nicht ziemt,
—Ihr nennt, ich weiß es, derlei Politik—
Doch eins tut not in allen ernsten Dingen:
Entschiedenheit; ob unser Ihr, ob nicht.
Klesel. Was nennt Ihr unser? Ich bin meines Herrn.
Er ist mein Uns, mein Euch, mein Ich, mein Alles.
Er ist entschieden und ich bin es auch.
Doch wenn die Macht nicht einig wie der Wille,
Wer trägt die Schuld als jene, die im Dunkeln
Am Hofe selbst sich bilden zur Partei
Und die Parteiung in den Ländern nähren?
In Böhmen selbst, wo man den Majestätsbrief
Erfüllen will, getreulich, ohne Hehl,
Trifft jeder Auftrag Seiner Majestät
Auf einen heimlich widersprechenden,
Gegeben von den Nächsten seines Hauses.
Die Utraquisten wollen Kirchen baun,
Wozu sie Kaiser Rudolfs Brief berechtigt,
Man hindert sie und stellt die Arbeit ein.
Ferdinand. Null ist der Majestätsbrief, als erzwungen.
Klesel. Erzwungen ist zuletzt ein jeder Friede;
Der Schwächere gibt nach. Doch soll das Schwert
Nicht wüten bis zu völliger Vertilgung,
Muß Friede werden, der nur Friede ist
Wenn er gehalten wird, ob frei, ob nicht.
Sie sollen Kirchen baun, so will's ihr König.