Otto.
Bedenken? was?

Erster Begleiter.
Die Nachbarschaft!

Otto.
Ich lache dieser Tröpfe!
Ist meine Schwester Königin im Land,
Daß ich viel fragen soll nach Brauch und Sitte?
Ich wollt' ihn ärgern; seht, das war der Punkt!
Ihn, der die Jagd mir hemmt, die Lust verdirbt.
Was kümmert mich sein Weib mit ihrem blonden Haar?
Nicht einmal blond, aus Gelb und Fahl gemischt;
Mit ihrem Antlitz, weiß und weiß und weiß,
Kaum auf den Wangen rötlich überstrahlt.
Schön ist sie wohl!—Wenn dieses blaue Auge,
So ernst und schroff, und doch so feurig auch,
Wenn's je—Ich sage dir, ich hab's gesehn,
Wie sie im vollen Kreis des ganzen Hofes
Die teilnahmsvollen Augen, blau und groß,
Nach mir hin richtete, minutenlang,
In starrer, wohlgefälliger Betrachtung.
Von mir ertappt, von meinem Blick begegnet,
Zog sie den ihren nicht verstohlen ab;
Nein noch verweilend, wie ein kühner Feind,
Der nicht den Rücken kehrt, und langsam weicht,
Ertrug sie die Begegnung, und erst spät,
Willkürlich, nicht gezwungen, kehrte sie
Von mir den frost'gen Strahl. Es war nicht Liebe,
Ich geb es zu; doch Wohlgefallen war's.
Allein, was kümmert's mich? Was frag ich viel
Nach ihr und ihrem Blick? Noch andre Weiber,
Und schönre Weiber gibt's, und minder spröde,
Mich reizt es nicht, zu schmelzen diesen Schnee,
Zu Eis gedämmt in ihres Mannes Gletschern;
Den Mann zu ärgern gilt's, der meiner Werbung
Durch seine Sicherheit zu spotten scheint.
Was sonst sich gibt, als Zutat nehm ich's hin;
Reicht mir die Zither! Noch den letzten Sturm.

(Der Hauptmann des königlichen Schlosses tritt auf, von einem Diener begleitet.)

Hauptmann (zum Herzog).
Wo weilt der Herzog Otto von Meran?
Ist er zugegen?

Otto.
Nein!

Hauptmann (zum Gefolge gewendet).
Man sagte doch—

(Ottos Begleiter weisen schweigend auf ihren Herrn.)

Hauptmann (zu Otto zurückkehrend).
Verzeiht, ich kannt Euch nicht, die Schatten trügen!

Otto.
Ich muß doch selber wissen, wo ich bin!
Der Herzog ist nicht hier; er will nicht hier sein!