Bela.
Mutter! Mutter!

Königin (zu ihm niedergekauert und ihn küssend).
O mein Kind!
(Ihrem Bruder die Hand drückend.)
Was soll ich sagen? (Zum Kinde.) Und so reich beschenkt!
Habt Dank, Ihr Herrn! Ihr edlen Frauen, Dank!
Für alles, was Ihr unserm Sohne gönnt.
Wir stünden tiefer noch in Eurer Schuld,
Wenn unser Bruder, Herzog Otto hier,
Nicht der Vergeltung Pflicht auf sich genommen.
Nehmt teil denn an dem Feste, an den Freuden,
Die er für uns, die er für Euch ersann.
Es ist zwar noch am Tag, allein wir wollen
Mit Lust den freud'gen Abend führen ein.
Graf Iwan, Dank!—Ei, Gräfin Erny, gönnt Ihr
Uns auch einmal die schöne Gegenwart?
Wir rauben stündlich Euren Gatten Euch,
Und nicht zu seiner Freude, fürcht ich fast;
Er findet uns zu schülerhaft, zu leicht.
(Zu Otto halblaut.)
Du arger Schalk! das Fest galt also mir?
Ich denk du gabst dir's selbst und deinen Wünschen!

Otto.
Ihr zürnt doch nicht?

Königin.
Was Scherz ist, tadl' ich nicht.
Nun auf! ein jedes wähle den Gefährten,
Dem es bei Tanz und Tisch die Rechte gönnt.—
Nicht so!—Nein, das Verbundne laßt uns trennen!
Des Gatten, des Geliebten Recht erlischt
Beim frohen Fest, das Fremdes soll verbinden.
Ich selbst, da es der Königin nicht ziemt,
Im Scherz auch einen Mann als Freund zu grüßen,
(Zu Erny.)
Erwähle, Gräfin, Euch mir zum Gefährten,
Wenn nicht vielmehr zum Manne mich für Euch.
Gebt mir die Hand! die Rechte!
(Ernys Hand in ihre beide lassend.)
Glaubt, ich lieb Euch!
Mein schönes Kind, ich lieb Euch, weiß es Gott!
Wir tanzen nicht, wir wandeln durch die Gäste,
Und wenn der Hausfrau rings besorgte Pflicht
Mich von Euch ruft, so soll mein teurer Bruder
Vertreten meine Statt. Dann tanzt Ihr wohl
Ein Schrittchen, oder zwei. Seid Ihr's zufrieden?
Mein frommes Kind, ich lieb Euch wahrlich sehr!
Nun fort!

(Die Gäste, die sich paarweise in Ordnung gestellt haben, setzen sich in Bewegung. Königin zu Bancbanus, der noch immer im Vorgrunde rechts steht.)

Was aber machen wir mit Euch?

(Während des Vorigen ist die Türe der Galerie geöffnet worden. Diese ist mit Leuten aller Art angefüllt, die zum Teil Bittschriften halten.)

Wer sind die Leute da?

Bancbanus.
Eu'r hoher Gatte
Empfing um diese Stunde die Suppliken,
Bittschriften aller Art.

Königin.
Tut's denn statt mir!
Ihr liebt die Feste nicht. Weiß Gott, ich fürchte,
Ihr tadelt mir den Tanz, das Mahl, die Gäste.
Bleibt hier, und hört, was jene dort begehren.
Hier ist ein Tisch, Papier und Feder hier.
Für eines jeden Unterhaltung sorg ich.
Eu'r Weibchen soll indes Euch nicht vermissen,
So viel traut mir nur zu! Beliebt's, Ihr Herrn?