Königin (verächtlich).
So glaubt Ihr denn? Wie, oder Gräfin, doch?
Wär's etwa Ernst geworden? Ernst bei Euch?
Was sagt dies arme Herz?
Erny.
Wohl arm! Es schweigt.
Königin.
Und völlig ruhig denn?
Erny.
Vollkommen ruhig.
Königin (sich von ihr abwendend).
So reist mit Gott, und grüßt mir Laub und Gras!
Einfältig Volk! Nur stumpf, nicht tugendhaft.
Harrt draußen, ob noch etwas zu befehlen.
(Erny mit einer Verbeugung ab.—Königin zum Arzte.)
Eu'r Kranker, Herr, ist toll, und gegen Tollheit
Gibt es ein einzig Mittel nur: Vernunft.
Er mag sich selber heilen, sagt ihm das.
Wie auch, daß er nicht hoffe, mich zu sehn,
Bis er zu mir kommt, selbst, als ein Genesner.
Arzt.
Doch wollet mich auch für entschuldigt halten,
Wenn endlich doch Gefahr.
Königin
Gefahr! Gefahr!
Es ist nicht not, daß gar so viele leben,
Die Erde trägt unnütze Last genug.
Wer sich Notwendigem nicht fügen kann,
Mag sterben, wär's mein Bruder, wär' ich's selbst.
Arzt.
Ich gehe denn.
Königin.
Bleibt noch!
(Zu den Hofleuten.)
Ist sonst noch jemand
Im Vorsaal, der mein harrt?
(Zum Arzte.)
Bei Eurem Kopf!
So glaubt Ihr wirklich denn, daß Grund zur Sorge?
Gesteh ich's Euch, ich dacht', ein leeres Wahnbild,
Ein ungestillter Wunsch, ein Hirngespinst
Sei dieses Übels Grund.
Arzt.
Vielleicht! Wohl möglich!
Streitsücht'ge Nachbarsherrn sind Geist und Körper,
Die Grenzen wechseln und verwirren sie;
Man weiß oft nicht, auf wessen Grund man steht.
Doch, was es sei, die Wirkung bleibt dieselbe,
Zumal, wenn er die Nahrung von sich weist.
Ein ganz Gesunder stirbt, entbehrt er diese.