(Der Arzt öffnet die Tür.)

Otto.
Laß! Ich bin stark wie der nemäische Leu,
Der Grimm stählt meine Sehnen, statt Gesundheit.

(Der Arzt zieht sich zurück.)

Ja, ich will fort. Du aber, danke Gott!
Denn blieb' ich hier, in Mitte meiner Schar
Durchzög' ich dies, dein Land, bis ich sie fände,
Die Törin fände, die mir Schmach getan.
Aus ihres Hauses Flammen riß ich sie,
Aus ihrer Wächter Mitte, vom Gebet,
Und stellte sie vor mich hin. Da! Nun sprich,
Wenn du es wagst: Warum du mich verachtest?

Königin.
Mein Bruder, höre!—O wie schäm ich mich!
Du hast wohl Fraun von höhrer Art gekannt,
Ich selber darf mich zählen unter solche.
Hast Geist gekannt und Witz, des Umgangs Reize.
Wie kann nun Leidenschaft für dieses Wesen,
Kaum schön, von schwachem Geist und dürft'gen Gaben,
Halb töricht und halb stumpf, dich nach sich ziehn?
Und unerhört; denn sieh, ich weiß, mein Bruder:
Sie denkt dein nicht.

Otto.
Wer spricht davon? Und doch!
Weil sie nicht will, und weil sie's nicht verdient
Will ich sie lieben, will mit jedem Reiz
Erfinderisch sie schmücken, mir zur Qual;
Will wissen, ich, warum sie mich verschmäht;
Den Zauber kennen, den der ekle Tor
Ausübt, ihr Gatte, über sie; die Kräuter,
Die Sprüche, die ihm ihre Liebe bannen.
Dann komme was da mag! Wer frägt nach ihr?
Laß, ich will fort!

Königin.
Mein Bruder, höre!
Geh nicht von mir, du meines Lebens Glück!
Laß mich allein nicht hier in dieser Wüste,
Wo du der einz'ge bist, der einz'ge, der da lebt!
Mein Ich, mein Selbst, mir teurer, als mein Selbst.
Begehre, was du willst, nur bleib bei mir.

Otto.
Ich kann nicht bleiben, so beschimpft, entehrt.

Königin.
Man soll genug dir tun. Verweis, Erklärung.
Ich banne sie vom Hof!

Otto.
Was fällt dir ein?
Glaubst du, mein Zürnen brauche fremder Hilfe?
Doch eins! laß mich sie sprechen!