Was aber nun beginnen? Großer Gott!
(Zu Otto.)
Berührst du mir das Kind?—Ja so—Nu Herzog,
Nehmt hier das Tuch, und trocknet ihm den Fuß,
Und wo's geritzt, da drückt mir fein gelinde!
Du blut'ger Mörder, wär' ich alt und schwach nicht,
Du solltest mir den Knaben nicht berühren!
Und dennoch, Mann des Unheils, schickt dich Gott!
Laßt, Herzog, jetzt, und hört mich sorglich an.
(Otto, noch immer vor dem Knaben auf den Knien, wendet, auf die
Fersen zurückgesetzt, das Gesicht horchend nach Bancbanus.)
Es gilt, das Kind den Meutern zu entziehn,
Die nach ihm suchen. Ich nun selbst vermag's nicht,
Denn mühsam nur schleppt sich der alte Fuß.
Auch ruft die Pflicht mich nach der Stadt zurück.
Dort will ich noch zum letztenmal versuchen,
Was Treue kann im Streit mit blinder Wut.
Nimm du das Kind, und flieh! Wenn sie dich fangen,
So bist du tot. Dir zwar geschäh' dein Recht;
Doch meines Herren Söhnlein muß ich hüten.
Sorg also, daß du jenen Wald erreichst,
Der quer sich hinzieht zu den weitsten Fernen.
Dort harr, im Dickicht lauernd, meiner Botschaft.
Und wenn sie dir nicht wird in dreien Tagen,
So halte mich für tot, und rette dich;
Vielmehr den Knaben rette, blut'ger Mörder!
Sonst klag ich dich vor jenem Richter an,
Wo schwarz du ohnehin bist, schwarz wie Kohle.
(Otto ist aufgestanden und hat den Knaben angefaßt.)
Bleib noch, du Mann des Bluts! Hört dies noch, Herzog!
Rennt nicht in einem Lauf bis hin zum Walde.
Der Raum ist groß, und leicht gewahrt man Euch.
Sieh an den Rebenhügeln hier und dort
Die Haufen Reisig, nahbei wilde Rosen,
Dort duck dich unter, bette dich in Dornen,
Mach deinen Leib zum Pfühl für dieses Kind.
Erst, wenn du rings gelauscht, ob alles ruhig,
Dann komm hervor, und flieh von Busch zu Busch,
Bis euch der Wald umfängt. Verstehst du, Mörder?
Nun, Herzog, nehmt das Kind, und seht Euch vor.
(Otto trägt das Kind auf den Armen. Bancbanus im Gehen.)
Ich dacht' Euch mir schon viele Meilen weit!
Dankt immer Gott, der Euch vergönnt ein Tröpflein
Von Gut zu tun in Euer Meer von Bösem.
(Stehenbleibend.)
Der Knabe trägt in seinen Taschen Brot,
Das rührt nicht an. Das soll für ihn. Ihr selber
Sucht Beeren Euch, und fehlen die, so hungert.
Es ist Euch nütz, wenn Ihr den Leib kasteit.
Dort, Herzog, dort!
(Er weist ihn auf den Hügel, der links in die Szene führt.)
Und seid Ihr auf der Höhe,
So lauft, was Ihr vermögt. Man kommt!—Macht fort!
(Ein Soldat tritt rechts im Vorgrunde auf, seinen Bogen spannend.)
Soldat.
Wer da? Halt!
(Otto entflieht.)