Simon.
Und wer vollbrachte jene Tat des Bluts! Wart Ihr's?

Otto.
Sie tat es selbst.

Simon.
Dir zu entgehn?

Otto.
So war's!

Bancbanus.
Mein Kind! Mein Kind! Laßt mich, ich will nach Hause!

König.
Bancbanus, bleib!—Euch, Herzog, halt ich nicht!
Kehrt heim, und merkt, wie man in diesem Land,
Das Ihr verachtet einst, Beleid'gung rächt.
Glimmt noch ein Funke einer bessern Glut
In Eurer Brust, so facht ihn sorglich an,
Und tilgt durch Reue, mildert Eure Schuld.
Zieht hin, mit Gott! Kein Fluch sei über Euch!

(Otto macht einen Schritt gegen den König. Dieser zieht sich zurück. Da beugt sich Otto tief, und geht, in der Mitte zweier Begleiter, die während des Vorigen vorgetreten sind, und ihm von rückwärts einen dunkeln Mantel umgeworfen haben, ab.)

Man geb' ihm das Geleit bis an die Grenze,
Und sorge, daß kein Unfall ihn verletzt.
(Zu Bancbanus.)
Wie aber soll ich dir die Treue lohnen,
Zum Teile nur vergelten, was du tatst,
Was du erlittst im Dienste deines Herrn?
Der Erste sei nach mir in meinem Reich,
Dein Wort dem Worte deines Königs gleich,
Und so ernenn ich dich—

Bancbanus.
Halt ein, o Herr!
Ich bin ein alter Mann, dem Tode reif;
Laß ruhig sein mich harren!—Mich belohnen?
Darf ich doch frei den Kummer wieder tragen,
Die Trauer um mein Weib. Darf jeden ansehn,
Die Antwort lesen, ach! in jedes Auge:
Unschuldig war sie und gerecht. Ei Lohns genug!
Der Glanz, womit du deinen Diener schmücktest,
Er hat als unheilvoll sich mir bewährt.
Gebeut nicht, daß aufs neu ich Gott versuche!
Mein Arm wird schwach, dies Haupt neigt sich zur Ruh'.
Und so entkleid ich denn, mit deinem Urlaub,
Mich all der Würden, Ämter und Gewalt,
Die deine Huld an deinen Knecht verschwendet;
Dich bittend, daß du gnädig mir vergönnst,
Auf meiner Väter Schloß, bei meinem Weib
Bei meines Weibes Leiche still zu harren,
Bis zwei der Leichen liegen in der Gruft.
Wenn des dir Botschaft wird, und eine Träne,
Wie jetzt, o Herr, in deinem Auge schimmert,
Dann hat dein Diener fruchtlos nicht gelebt,
Braucht andre Grabschrift nicht, noch güldne Zeichen.
Und wenn du ja in deinem hohen Sinn,
Belohnung jetzt schon rätlich glaubst und gut,
Ach so erlaub, daß jenes edle Kind,
Für dessen Heil ich auch mein Schärflein bot,
Daß ich sein Händlein drück an meinen Mund,
Mich Überzeugend, daß es lebt und atmet.
(Kniet vor dem Kinde.)
Glück auf! Glück auf! Du hohes Fürstenkind,
Bestimmt, dereinst zu herrschen hier im Lande!
Ein alter Mann, der lang dann nicht mehr ist,
Wenn du als Fürst gebeutst in diesem Lande,
Er heißt willkommen dich, und ruft dir zu:
Sei mild, du Fürstenkind, und sei gerecht!
Auf dem Gerechten ruht des Herren Segen.
Bezähm dich selbst, nur wer sich selbst bezähmt,
Mag des Gesetzes scharfe Zügel lenken.
Laß dir den Menschen Mensch sein, und den Diener
Acht als ein Spargut für die Zeit der Not.
Gedenk als Mann der Zeit, da du ein Kind,
Und hilflos lagst in eines Mörders Armen.
Wie da der Aufruhr an die Pforten pochte
Und jeder Rat und jede Hilfe fern;
Da tat ein alter Mann, was er vermochte.
I nu! Ein treuer Diener seines Herrn!
(Er neigt sein Haupt auf die Hand des Knaben.)

Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Ein treuer Diener seines Herrn, von Franz Grillparzer.