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Freie Gegend an der March. Es ist heller Tag.

Kaiser Rudolf mit seinen Söhnen, in Begleitung österreichischer und anderer Ritter mit Fahnen, tritt auf.

Rudolf.
Die Sonne steigt aus Nebeln herrlich auf;
Es wird ein schöner Tag! Mein Sohn, du trittst
Zum erstenmal auf österreich'schen Boden,
Sieh um dich her, du stehst in deinem Land!
Das Feld, das rings sich breitet, heißet Marchfeld,
Ein Schlachtfeld, wie sich leicht kein zweites findet,
Doch auch ein Erntefeld, Gott sei gedankt!
Und dafür soll es immerdar dir gelten!
Dort fließt die March; dort, wo noch Nebel ringt,
Liegt Wien, die Stadt, die Donau blinkt daneben,
Von vielen Inseln mannigfach geteilt.
Dort wirst du wohnen, gibt uns Gott den Sieg.
Doch gilt's zu kämpfen erst, das sollst du auch.
Die Rennfahn' geb ich dir, die sollst du führen,
Mir vor sie tragen glorreich durch die Schlacht.
(Er gibt ihm die Fahne.—Zu seinem jüngeren Sohne.)
Dein junger Arm führt noch zu schwach den Stahl,
Du bleibst bei mir, in deines Vaters Hut.

Ihr, Markgraf Hochberg, führt des Reiches Adler;
Und wie der Adler lebend Wild nur beutet,
Trefft den, der kämpft, und schonet des, der flieht.
(Er gibt ihn.)
Dir, Konrad Haslau, ob schon altergrau,
Vertrau ich Östreichs flatterndes Panier,
Das du in zwanzig Schlachten rühmlich trugst.
Ihr bleibt ihm nah, Herr Heinrich Lichtenstein,
Und wahrt des Manns und dessen, was er trägt.
Ha, wohl verwahrt! Sucht' ich nach einem Schützer
Für dies mein Haupt, ich wüßte keinen bessern
Als einen Lichtenstein! Wohlan, ihr Herrn,
Nehmt das Panier und tragt es allen vor;
Den edlen weißen Strich von Österreich;
Und wie er glänzend geht durchs rote Feld,
So will ich sehen Östreichs weiße Zeichen
Die Gasse ziehn durch blutgefärbte Leichen.

Nun vor, mit Gott! Und: Christus sei der Schlachtruf.
So wie er starb für uns am blut'gen Holz,
So wollen wir auch sterben für das Recht,
Ob auch das Unrecht Güter böt' und Leben.
Ehrwürd'ger Herr von Basel, geht voran,
Stimmt uns das Schlachtlied an: Maria, reine Maid!

Diener (kommt).
Die Königin von Böhmen, gnäd'ger Herr!

Rudolf.
Wie kommt sie her zu mir?

(Kunigunde und Zawisch auftretend, hinter ihnen wird Berta geführt, mit
Begleitern, die zurückbleiben.)

Kunigunde.
Hier bin ich selbst!
Um Schutz zu flehn, komm ich in Euer Lager.