Burggraf.
Die Lande Österreich und Steier fallen,
Vermög' dem Majestätsbrief Kaiser Friedrichs,
Wohl an des letzten Lehnbesitzers Töchter,
An seine Schwestern nicht, und Margarethe
Ist nur des letzten Babenbergers Schwester,
Des Herzogs Friedrich, der den Mannstamm schloß.
Des Reiches Lehn vererben nicht,
Durch keine Heirat mag man sie erwerben:
Und so gib wieder, was dem Reich gehört.
Ottokar.
Ich glaube gern, daß es ihm wohlgefiele,
Dem neuen Herrn, wenn ich die reichen Lande
Ihm sendete nach Schwaben, seinen Säckel
Zu bessern und die dürftig leere Hand;
Allein nicht so! Ich bin nun alt genug,
Um auf Verlust mich zu verstehn und auf Gewinn.
Geht nur zurück und sagt dem deutschen Reich—
Denn einen deutschen Kaiser kenn ich nicht—
Manch Geier soll noch Aases werden satt,
Bis sie gewinnen, was des Böhmen ist!
Er ladet mich zu sich? nun wohl, ich komme!
Doch will ich Gäste führen mit zum Tanz,
Daß von der Füße Stampfen weit umhin
Die Erde soll erzittern bis zum Rhein.
Gehabt Euch wohl und sagt das Euerm Herrn!
Zawisch.
Wir aber wollen zu den Waffen greifen.
Mit Gut und Blut für unsern großen König!
(Er geht, mehrere wollen folgen.)
Ottokar.
Halt da! Warum nicht gar! Für wen? und gegen wen?
Im Lande soll man handeln und verkehren,
Als wär' der tiefste Fried'. Wenn's an der Zeit,
Will ich schon des Besuches Gäste wählen.
Und nun mit mir! Der neue Bettelkönig,
Nicht einem Reh soll er das Leben retten!
Auf Ribnik ist für morgen große Jagd;
Ihr alle seid geladen! Lust und Freude!
Bringt Lichter, es wird dunkel. Fackeln her
Und so mit mir! Auf Weidwerk! In den Wald!
(Ab, die übrigen folgen ihm tumultuarisch nach.)
(Es wird dunkler. Kurze Pause, dann hört man in der Ferne auf einer
Zither spielen.)
Kammerfräulein (tritt aus der Türe der Königin).
So, sie sind fort! Wer spielt da auf der Zither?
Kunigunde (kommt).
Was ist? Wer spielt?
Kammerfräulein (an der Balustrade).
Ich weiß nicht, gnäd'ge Frau.
Horch! Worte? »Hand wie Schnee, und doch so heiß«
Es ist Herr Zawisch Rosenberg. Er singt.
Soll ich ihn gehen heißen?
Königin (hat sich gesetzt).
Laß ihn nur,
Es hört sich gut zu in der Abendkühle.
(Sie stützt ihr Haupt gedankenvoll in die Hand.)