Rudolf.
Das tut!
Und grüßt mir Rat und Bürger von Luzern.
(Der Kaiser wendet sich zu gehen.)

Ottokar von Hornek (im Vorgrunde tritt aus der Menge).
Erlauchter Herr und Kaiser, hört auch mich!

Rudolf.
Wer seid Ihr?

Hornek.
Ottokar von Hornek, Dienstmann
Des edlen Ritters Ott von Lichtenstein,
Den König Ottokar, samt andern Landherrn,
Ohn Recht und Urteil hält in enger Haft.
O nehmt Euch sein, nehmt Euch des Landes an!
Er ist ein guter Herr, es ist ein gutes Land,
Wohl wert, daß sich ein Fürst sein unterwinde!
Wo habt Ihr dessengleichen schon gesehn?
Schaut rings umher, wohin der Blick sich wendet,
Lacht's wie dem Bräutigam die Braut entgegen!
Mit hellem Wiesengrün und Saatengold,
Von Lein und Safran gelb und blau gestickt,
Von Blumen süß durchwürzt und edlem Kraut,
Schweift es in breitgestreckten Tälern hin—
Ein voller Blumenstrauß soweit es reicht,
Vom Silberband der Donau rings umwunden!—
Hebt sich's empor zu Hügeln voller Wein,
Wo auf und auf die goldne Traube hängt
Und schwellend reift in Gottes Sonnenglanze;
Der dunkle Wald voll Jagdlust krönt das Ganze.
Und Gottes lauer Hauch schwebt drüber hin
Und wärmt und reift und macht die Pulse schlagen,
Wie nie ein Puls auf kalten Steppen schlägt.
Drum ist der Österreicher froh und frank,
Trägt seinen Fehl, trägt offen seine Freuden,
Beneidet nicht, läßt lieber sich beneiden!
Und was er tut, ist frohen Muts getan.
's ist möglich, daß in Sachsen und beim Rhein
Es Leute gibt, die mehr in Büchern lasen;
Allein, was not tut und was Gott gefällt,
Der klare Blick, der offne, richt'ge Sinn,
Da tritt der Österreicher hin vor jeden,
Denkt sich sein Teil und läßt die andern reden!

O gutes Land! o Vaterland! Inmitten
Dem Kind Italien und dem Manne Deutschland,
Liegst du, der wangenrote Jüngling, da:
Erhalte Gott dir deinen Jugendsinn
Und mache gut, was andere verdarben!

Rudolf.
Ein wackrer Mann!

Erster Bürger.
Ja Herr, und ein Gelehrter!
Er schreibt 'ne Reimchronik, und Ihr, Herr Kaiser,
Kommt auch drin vor!

Rudolf.
Im Guten, will ich hoffen!
Dein Herr, vertrau! er soll die Freiheit haben.
Und du—Zum Angedenken dieser Stunde, nimm
Die Kette da und schmücke dich damit!
Dem Wissen sei sein Lohn und dem Vollbringen!
(Er nimmt eine Kette vom Hals und hängt sie Horneken um, der niedergekniet
ist. Zu einem der Nebenstehenden.)

Euch, Ritter, scheint die Gunst wohl allzuhoch?
Wenn diesen Mann ich mit dem Schwert berühre,
So steht er auf als Ritter, wie so mancher;
Doch manchen wüßt' ich nicht, womit berühren,
Sollt' er ein Reimwerk schreiben, so wie der.
Doch davon nichts in deine Chronik, Freund!
Das hieße sonst in dir mich selber loben!

Hauptmann (kommt).
Der König naht von Böhmen, gnäd'ger Herr!