(Paltram Vatzo, Bürgermeister von Wien, mit einigen Ratsgliedern kommt, die Schlüssel der Stadt auf einem Kissen tragend.)

Paltram.
In Unterwürfigkeit, mein Herr und Kaiser,
Bring ich die Schlüssel Euch der Stadt von Wien,
Euch bittend, daß Ihr mir nicht zürnt darob,
Weil ich, dem König treu, dem ich geschworen,
Die Stadt gehalten bis auf diesen Tag;
Sie auch, verzeiht! vielleicht noch länger hielt,
Wenn nicht das Volk die Übergab' erzwungen,
Der langen Sperrung müd und der Entbehrung.
(Er legt knieend die Schlüssel zu des Kaisers Füßen.)
Mein Amt, ich leg es mit den Schlüsseln ab,
Doch sollt als treuen Bürger Ihr mich finden.
(Aufstehend.)
Des Landes Herr ist Paltram Vatzos Herr,
Zugleich mit meinem Land ergeb ich mich!
(Er tritt zurück.)

Ottokar.
Verdammt! O Wiener! Leichtbeweglich Volk!
Hast du für deinen leckern Gaum gezittert?
Doch soll's dich reun! Die Zufuhr sperr ich dir
Aus Klosterneuburg, meiner starken Feste!

Rudolf.
Auch Klosterneuburg ist in meiner Hand,
Und nichts mehr dein am rechten Donauufer!
Herr Friedrich Pettau, kommt!

(Friedrich Pettauer tritt vor mit niedergeschlagenen Augen.)

Ottokar.
Ha, schändlicher Verräter!
So gabst du meine Burg?

Pettauer.
Nicht ich, o Herr!
Ein rascher Überfall, spät gestern abends—

Ottokar.
Genug! Ich weiß, daß ich verraten bin!
Doch triumphiere nicht! Doch spott ich dein!
Aus Steiermark naht mir ein stattlich Heer
Mit Milota, dem treuerprobten Führer;
Im Rücken faßt er deine Mietlingsschar,
Indes, wie Donnerwolken, Ottokar
Von vornehmer die schwachen Halme knickt,
Und kein Entrinnen bleibt als in die Donau!

Rudolf.
O sprich nicht weiter, allzu rascher Fürst!

Ottokar.
Erkennst du nun, wie weit du noch vom Ziel?