Ihr wart ein mächt'ger Fürst, ein großer König,
Eh' die Gelegenheit des Mehrbesitzes
In Euch entzündet auch den Wunsch dazu;
Ihr werdet's bleiben, mächtig, reich und groß,
Wenn auch verloren, was nicht halten konnte.
Denn Gott verhüte, daß ich einen Finger
Ausstreckte nach dem Gut, das Euch gehört.
Auch könnt' ich's nicht! Euch bleibt ein mächtig Heer,
Zu aller Art des Streites wohlgerüstet,
Und zweifelhaft ist aller Schlachten Glück.
Allein, tut's nicht! Verkennt nicht Gottes Hand,
Die Euch gewiesen, was sein heil'ger Wille.
Mich hat, wie Euch, der eitle Drang der Ehre
Mit sich geführt in meiner ersten Zeit.
An Fremden und Verwandten, Freund und Feind
Übt' ich der raschen Tatkraft jungen Arm,
Als wär' die Welt ein weiter Schauplatz nur
Für Rudolf und sein Schwert. In Bann gefallen,
Zog ich mit Euch in Preußens Heidenkrieg,
Focht ich die Ungarschlacht an Eurer Seite,
Doch murrt' ich innerlich ob jener Schranken,
Die Reich und Kirche allzu ängstlich setzten
Dem raschen Mut, der größern Spielraums wert.
Da nahm mich Gott mit seiner starken Hand
Und setzte mich auf jene Thronesstufen,
Die aufgerichtet stehn ob einer Welt.
Und gleich dem Waller, der den Berg erklommen
Und nun hinabsieht in die weite Gegend
Und auf die Mauern, die ihn sonst gedrückt;
So fiel's wie Schuppen ab von meinen Augen
Und all mein Ehrgeiz war mit eins geheilt.
Die Welt ist da, damit wir alle leben,
Und groß ist nur der ein' allein'ge Gott!
Der Jugendtraum der Erde ist geträumt,
Und mit den Riesen, mit den Drachen ist
Der Helden, der Gewalt'gen Zeit dahin.
Nicht Völker stürzen sich wie Berglawinen
Auf Völker mehr, die Gärung scheidet sich,
Und nach den Zeichen sollt' es fast mich dünken
Wir stehn am Eingang einer neuen Zeit.
Der Bauer folgt in Frieden seinem Pflug,
Es rührt sich in der Stadt der fleiß'ge Bürger,
Gewerb' und Innung hebt das Haupt empor,
In Schwaben, in der Schweiz denkt man auf Bünde,
Und raschen Schiffes strebt die muntre Hansa
Nach Nord und Ost um Handel und Gewinn.
Ihr habt der Euren Vorteil stets gewollt;
Gönnt ihnen Ruh', Ihr könnt nichts Beßres geben!
O Ottokar, es war 'ne schöne Zeit,
Als wir, aus Preußen rückgekommen, saßen
Im Söller Eures Schlosses am Hradschin,
Von künft'gen Tagen, künft'gen Taten sprachen!
Bei uns saß damals Königin Margrethe—
Wollt Ihr sie sehn? Margrethen sehen?
Ottokar.
Herr!
Rudolf.
Daß Ihr den Friedensengel von Euch stießt,
Der sanft versöhnend ob Euch wartete,
Die rasche Glut mit Segenswort besprach
Und treulich, eine liebe Schwester, sorgte!
Mit ihr habt Ihr das Glück von Euch verbannt.—
Ihr seid in Eurem Haus nicht glücklich, Ottokar!—
Wollt Ihr Margrethen sehn? sie ist im Lager!
Ottokar.
Nein, Herr! Allein die Lehen will ich nehmen.
Rudolf.
Von Böhmen und von Mähren?
Ottokar.
Ja, Herr Kaiser!
Rudolf.
Dem Reich erstatten—?
Ottokar.
Östreich, Steiermark,
Was ich vom Reich; was sich von mir getrennt.
Ich habe viel für sie getan! Der Undank,
Der Menschen Schlechtheit ekelt tief mich an.