(Die Königin kommt mit Zawisch und Dienern.)
Kunigunde.
Wer ließ den Aberwitz da vor die Tür?
Hab ich Euch nicht gesagt, Ihr sollt sie hüten?
Benesch (der fortgeführt wird).
Nu, Berta, komm! er hat doch auch sein Teil. (Ab.)
Kunigunde.
Ihr auch fort, alles fort, was Augen hat!
(Alle geben, bis auf sie und Zawisch.)
Kunigunde.
Wir sind allein! allein mit unsrer Schande!
Wollt Ihr Euch nicht erheben, großer König,
Und große Worte geben, wie ihr pflagt?
Sieh hin, da sitzt der Stolze, Übermächt'ge,
Dem sonst die Welt zu klein für seine Größe;
Da sitzt er wie ein Bettler vor der Tür
Und holt ein »helf euch Gott!« sich und Verachtung.
Der Mann, der Kronen trug, als wären's Kränze,
Und, wenn die eine welk ward, neue flocht
Aus frischgeschnittnen Blumen fremder Gärten.
Das Leben Tausender in seiner Hand,
Es hinsetzt', wie zum fröhlich leichten Brettspiel,
Auf das von Blut und Staub geteilte Feld
Und ausrief: Schach! als wenn es Steine wären,
Vom Künstler plump geformt aus totem Stoff,
Und Roß und Reiter zubenannt zum Scherz.
Der selbst mit der Natur im Streite lag,
Und wenn er morgens ausritt auf die Jagd
Und sah den Himmel überdeckt mit Wolken,
So sprach er: Wart! rief nach dem Meister Maurer,
Und hieß ihn, mit dem neuen Kirchenbau
In Güldenkron nicht allzusehr zu eilen.
Da sitzt er und starrt leblos auf den Grund,
Den er zuvor gestampft mit stolzen Füßen!
Zawisch.
Ei, gnäd'ge Frau, das Glück ist eben rund!
Kunigunde.
Was andre bindet, das war ihm ein Spiel!
Sein Weib Margrethe stieß er fort von sich:—
Weiß Gott, sie war für ihn, die Alternde,
Die Königin des Jammers stand ihm wohl!—
Und fern aus Ungarn holt' er ein Gemahl.
Was kümmert's ihn, ob sie vielleicht schon längst
Nach einem andern hingewandt den Blick?
Ob grade damals ein Geringerer,
Und doch viel Größrer warb um ihre Hand?—
Ein unbezwungner Führer der Kumanen
Wiegt einen dienstbarn Böhmenkönig auf!—
Was kümmert's ihn! er will ein Weib und Erben,
Mag brechen, was da bricht; und damit gut!
Ein kräftig freies Wesen kam ich her,
Gar würdig wohl des Jünglings zum Gemahl,
Und fand—ei nun, den König Ottokar!
Nicht ganz so kläglich, als er jetzt dort brütet,
Doch nicht viel besser, weiß der große Gott!
Von Rat und Meinung hielt er mich entfernt,
Wie eine Magd viel mehr als eine Fürstin.
Er nur allein, er wollte Herrscher sein.
Zawisch.
Ei, gnäd'ge Fürstin, herrschen ist gar süß;
So süß fast als—gehorchen, und man teilt's nicht!
Kunigunde.
Er hat geherrscht; fürwahr, er hat geherrscht!
Wie eine Seifenblase ist's zerronnen!