Ottokar.
Genug!
Dann laßt die Geisel sich in Reihe stellen,
Man muß erst untersuchen, ob kein andrer,
Der Haft Entsprungner sich mit ihnen rettet.
Herold.
Dagegen bürgt des Reiches Würde zwar;
Doch stellt euch in die Reihe, wenn's beliebt.
Ottokar (die Reihe hinauf gehend).
Du magst nur gehn, und du!—Bist du so schmuck,
Herr Ulrich Lichtenstein? Du freust dich wohl,
Weil du nun ledig? Nu, ich gönn es dir.
Du hast mich nicht geliebt; je, ich dich auch nicht!
Das macht uns wett. Zieh immer hin!
Doch da ist einer, den ich sprechen muß.
Gott grüß dich, Merenberg, du Schurk' und du Verräter!
Kanzler.
Wenn er nur schweigt, nur nimmer widerspricht!
Ottokar.
Wie geht's denn deinem Sohn im Dienst des Kaisers?
Ein wackrer Junge, der schlägt nicht von Art!
Du hast ihn noch zur rechten Zeit gerettet,
Da es mit Ottokar schon abwärts ging.
Als ich das letztemal ihn sah, versprach ich
Ihm Kunde bald von mir und auch von dir;
Wie wär's, wenn ich ihm jetzt ein Briefchen schriebe:
Der alte Schurk', dein Vater, lebt nicht mehr!
(Zum Herold.)
Das ist kein Geisel, ist ein Hochverräter
Und kann mit jenen andern dort nicht gehn!
Herold.
Gerade den befahl mein Herr, der Kaiser—
Ottokar.
Gerade den befiehlt sein Herr, der König—
(Zu Merenberg.)
Du warst der erste, du hast angefangen,
Das Beispiel du gegeben von Verrat.
Nach Frankfurt schriebst du Klagen und Beschwerden,
Da wählten sie den Habsburg, meinen Feind!
Merenberg.
Beschwerden nicht!
Ottokar.
Nu, Lob doch auch nicht, Bruder!
Als erst dein Sohn in meines Gegners Heer,
Da folgten ihm von Österreich die andern
Und haben an der Donau mich verraten,
Mich preisgegeben, ihren rechten Herrn!
Weißt du, wo deinen Sohn ich sah zuletzt?
Es war bei Tulln, im kaiserlichen Lager,
Wo König Ottokar—Tod und Verdammnis!—
Vor seinem Feind—in Knechtesart—im Staub—
Lösch aus, Erinnerung, in meinem Haupt,
Senk, Wahnsinn, dich herab auf meine Stirn
Und hüll in deine Wogen, was geschehn!
Wo König Ottokar—warum nicht sagen,
Was alle Welt gesehn?—vor seinem Feind gekniet!
Und dieses Mannes Sohn, er stand dabei
Und lachte!—Darum mußt du sterben, Mann!
Die andern mögen gehn, der eine bleibt!
Merenberg.
Gerechter Gott!