Kanzler.
O Gott, was sinnt er? Teurer, gnäd'ger Herr!
Ottokar.
Ruft mir mein Weib, die Königin!
(Diener ab.)
Vor aller Welt ward Ottokar beschimpft,
Vor aller Welt muß er auch rein sich waschen!
Sie hat den gift'gen Stachel mir gesenkt
In meine Brust; sie mag zugegen sein,
Wenn ich ihn ausziehe oder im Bemühn
Ihn drücke in das Innerste des Lebens!
(Die Königin kommt.)
Kunigunde.
Was ist?
Ottokar.
Ihr habt mich, kurz erst, hart gescholten,
Daß ich, um Blut zu schonen, nachgegeben
Und eingeräumt dem Kaiser Gut und Land.
Kunigunde.
Ich schelt' Euch noch!
Ottokar.
Seht hier in meiner Hand
Den Brief, der an den Kaiser mich gebunden.
Zerreiß ich ihn, ist auch das Band zerrissen,
Das jetzt mich hält; frei bin ich wie zuvor.
Zerreiß ich ihn?
Kunigunde.
Kein Mut'ger zweifelt da!
Ottokar.
Doch hört! Aufs neue rast der Teufel Krieg;
Aufs neue dampft das Land in Rauch und Blut.
Und eines Morgens, leicht kann es geschehn,
Bringt man Euch auf der Bahre den Gemahl.
Kunigunde.
An Eurem Sarge will ich lieber stehn,
Als mit Euch liegen, zugedeckt von Schande!