Ottokar.
So stark? Ein Tröpflein Milde täte wohl!

Kunigunde.
Solang Ihr Euch nicht von der Schmach gereinigt,
Betretet nicht als Gatte mein Gemach.
(Zum Abgehen gewendet.)

Ottokar.
Bleibt noch! Seht her! der Brief, er ist zerrissen!
(Er zerreißt den Brief.)
Die Ehre ganz, und auf der Zukunft Tor!
Was draus erfolgt, wir wollen's beide tragen!
Gott gönn Euch was von dem, was hier erwacht,
(Auf seine Brust zeigend.)
Und gebe mir die Kraft, die Ihr bewiesen!

Kunigunde.
Nun erst willkomm ich Euch!

Ottokar.
So nicht! so nicht!
Ich sehe Blut an deinen weißen Fingern,
Zukünft'ges Blut! Ich sag: berühr mich nicht.
Gott hat das Weib aus weichem Ton gemacht
Und: Milde zugenannt; was bist denn du?
Wird mein Gedächtnis wach erst und erzählt,
Wie du den König, da er kam, empfingst,
Den Gatten, da er rückgekehrt nach Haus—
Geh fort! Ich fühle, daß sich mir die Sehkraft schwächt,
Das ist ein Zeichen, daß es Zeit zu gehn.
Geh fort! Fort, sag ich! Fort! (Die Königin geht ab.) Es ist vorüber!

Ottokar (zum Kanzler, den er angefaßt hatte).
Schein ich dir hart? Sie war mir auch nicht gütig!
Das geht so her und hin; Gott zieht die Rechnung!
Euch, Herold, halt ich nun nicht länger mehr!
Sagt Eurem Herrn, was Ihr mit angesehn!
(Gegen Merenberg.)
Mit dem in Turm! Was schützte vor Verrat,
Als die Bestrafung früherer Verräter?
Wer bauen will, der reutet seinen Grund,
Drum fort, du böses Schlingkraut, gift'ge Ranke!

Merenberg.
Zu rascher König, mich schilt nicht Verräter!
Die sind's, die deinem Throne stehn zunächst,
Die Rosenberg, die—

Ottokar.
Kannst du auch verleumden?

Merenberg.
Ach, der mich hält und mich zum Kerker führt,
Er ist des Kerkers würdiger als ich!

Ottokar.
Kein Böhme hat noch seinen Herrn verraten!
Jetzt bin ich deines Frevels erst gewiß!
In Turm den Lästerer!