Wlasta. Die Fürstin, meine Frau—
Kascha. Wir wissen es.
Libussa will zurück in ihrer Schwestern Mitte,
Empört von ihres Volkes wildem Trotz.
Sag ihr, das kann nicht sein.
Wlasta. Du meinst wie ich.
Kascha. Vielleicht nicht ganz. Allein,—und sag ihr das—
Wer gehen will auf höh'rer Mächte Spuren
Muß einig sein in sich, der Geist ist eins.
Wem's nicht gelungen all die bunten Kräfte
Im Mittelpunkt zu sammeln seines Wesens,
So daß der Leib zum Geist wird, und der Geist
Ein Leib erscheint, sich gliedernd in Gestalt,
Wem ird'sche Sorgen, Wünsche und das schlimmste
Von allem was da stört,—Erinnerung,
Das weitverbreitete Gemüt zerstreun,
Für den gibt's fürder keine Einsamkeit,
In der der Mensch allein ist mit sich selbst.
Die Spuren ihres Wirkens, ihres Amts,
Sie folgen künftig ihr wohin sie geht.
Wozu noch kommt, daß in der letzten Zeit
Die Neigung, scheint's, die Neigung zu dem Mann,
In ihrem edlen Innern Platz gegriffen;
Zum mindsten war das Kleinod das du brachtest,
Als Zeichen deiner Sendung, nicht mehr strahlend,
Gewesen war's in einer fremden Hand.
Sie kann nicht mehr zu uns zurück, denn störend
Und selbst gestört, zerstörte sie den Kreis.
(Sie tun ein paar Schritte. Wlasta tritt ihnen in den Weg.)
Wlasta. Doch gebt ihr Rat der Fürstin, wie sie bändigt
Die Meinungen des Volks, mit sich im Kampf.
Kascha. Kennt einen Weisern sie im Volk als sich,
So steige sie vom Stuhl und gönn' ihn jenem.
Doch ist die Weisre sie, wie sie's denn ist,
So gehe sie den ungehemmten Gang,
Nicht schauend rechts und links was steht und fällt.
Der Fragen viel erspart die feste Antwort.
Ich sehe rings in weiter Schöpfung Kreisen
Und finde übrall weise Nötigung.
Der Tag erscheint, die Nacht, der Mond, die Sonne,
Der Regen tränkt dein Feld, der Hagel trifft's,
Du kannst es nützen, kannst dich freuen, klagen,
Es ändern nicht. Was will das Menschenkind
Daß es die Dinge richtet die da sind.
Tetka. Das Denken selbst, das frei sich dünkt vor allen,
Ist eigner Nötigung zu Dienst verfallen.
Hat sich der Grund gestellt, so folgt die Folge,
Und zwei zu zwei ist minder nicht noch mehr
Als vier, ob fünf dir auch willkommner wär'.
Wer seine Schranken kennt der ist der Freie,
Wer frei sich wähnt ist seines Wahnes Knecht.
Kascha. Hoffst du durch Überzeugen dich geschützt?
Es billigt jeder das nur was ihm nützt.
Ein einz'ges ist was Meinungen verbindet:
Die Ehrfurcht, die nicht auf Erweis sich gründet.
Der Sohn gehorcht, gab sich der Vater kund,
Den Ausspruch heiligt ihm der heil'ge Mund.
Daß einer herrsche ist des Himmels Ruf,
Weil zum Gehorchen er die Menschen schuf.
Wir selbst, als Schwestern deiner Fürstin gleich,
Gehorchen ihr, weil ihrer ward das Reich.
Und fällt's zu widerstreben jemand ein,
Mag er versuchen erst kein Mensch zu sein.
(Indem die Fürstinnen ihren Weg fortsetzen, und Wlasta, wie zu neuen
Vorstellungen ihnen zur Seite folgt, gehen alle nach links ab.)