Dobromila. Ich sehe Staub.

Libussa. Nun Staub ist eben nichts.

Dobromila. Allmählig doch entwickeln sich Gestalten.
Ha, die Wladiken sind's.

Libussa. Und Wlasta nicht?

Dobromila. Der Zug umgibt dein zügelfreies Roß.

Libussa. Das keinen Reiter trägt?

Dobromila. Ich sehe keinen.
Vor allen her nur geht ein einzelner,
Geschmückt mit Blumen wie—

Libussa. Ein Opfer etwa?
Ich will des Schrittes Unlust ihm ersparen,
Und schien die Frau ihm nicht des Kommens wert,
Soll ihm die Fürstin wert der Achtung scheinen.
(In die Hände klatschend.)
Herbei ihr Diener, Mägde dieses Hauses,
Umgeht die euch gebeut in voller Schar
Auf daß, wer Hohes sonst nicht kann erkennen,
Zum mindsten mit dem Aug es nehme wahr.

(Von der rechten Seite ist Libussens Gefolge eingetreten und hat sich in Reihen gestellt. Sie selbst besteigt den Thron.—Primislaus kommt von der linken Seite. Hinter ihm die Wladiken und Volk. Er trägt einen Kranz von Ähren und Kornblumen auf dem Kopfe, in der rechten Hand eine Sichel, mit dem linken Arme hält er einen Korb mit Blumen und Früchten.)

Primislaus. Auf dein Geheiß erschein ich, hohe Fürstin,
Mit Landmanns Gaben und in Landmanns Schmuck
Und dir zu Füßen leg ich meine Habe.
Den Kranz von Ähren, die der Fluren Krone
Und minder nicht von Gold als Fürstenschmuck,
Ich neig ihn vor der Fürstin Diadem.
Die Sichel, die mein Schwert, der Waffen beste,
Denn sie bekämpft der Menschen ärgsten Feind,
Des Name schon ein Schreckensbild: die Not,
Ich strecke sie, von höhrer Macht besiegt.
Und dies mein Schild, bemalt nicht nur mit Zeichen,
Geschmückt mit Inhalt und mit Wirklichkeit,
Das Wappen meines Standes, meines Tuns,
Ich biet es dir als ärmliches Geschenk,
Wie es dem Höhern wohl der Niedre beut,
Der sich als niedrig weiß, obgleich nicht fühlt.
Und so aus meinem Haus, das meine Burg,
Komm ich zu Hof und, neigend dir mein Knie,
Frag ich, o Fürstin: was ist dein Gebot. (Er kniet.)