Primislaus. Wer sah dich nicht
Als dich das Land mit seiner Krone schmückte?
Libussa. Und sprach ich je zu dir?
Primislaus. Zu mir, wie allen,
Die als dein Wort verehren dein Gesetz.
Libussa. Der Zelter den ich sandte, ohne Leitung,
Er blieb in deines Hauses Räumen stehn.
War er je dein?
Primislaus. Und wär' er's ja gewesen,
Wenn ich ihn gab, war er nicht mehr mein eigen.
Ein Mann geht zögernd vorwärts, rückwärts nie.
Libussa. Ein Mann, ein Mann! Ich seh es endlich kommen.
Die Schwestern mein sie lesen in den Sternen,
Und Wlasta führt die Waffen wie ein Krieger,
Ich selber ordne schlichtend dieses Land;
Doch sind wir Weiber nur, armsel'ge Weiber:
Indes sie streiten, zanken, weinerhitzt,
Das Wahre übersehn in hast'ger Torheit
Und nur nach fernen Nebeln geizt ihr Blick,
Sind aber Männer, Männer, Herrn des All!
Und einen Mann begehrt ja dieses Volk;
Das Volk, nicht ich; das Land, nicht seine Fürstin.
Du giltst für klug, und Klugheit ist ja doch
Ein Notbehelf für Weisheit wo sie fehlt.
Sie wollen einen Richter, der entscheide,
Nicht was da gut und billig, fromm und weise,
Nein, nur was recht, wieviel ein jeder nehmen,
Wieviel verweigern kann, ohn' eben Dieb
Und Schelm zu heißen, ob er's etwa wäre.
Dazu bist du der Mann, wie's mindstens scheint.
Allein der Richter sei vor allem frei
Von fremdem Gut, soll er das fremde schützen.
Drum sag nur an: ist nichts in deinen Händen
Was mir gehört und du mir vorenthältst?
Primislaus. Dein bin ich selbst und all was ich besitze,
Was ich besaß ist nicht in meiner Hand.
Libussa. Mir widert dieser Reden Doppelsinn,
Die nichts als Stolz, als schlechtverhüllter Hochmut.
Drum frag ich offen dich zum letztenmal—
Doch regt sich auch der Stolz in dieser Brust
Ausweichen den zu sehn den ich begrüßt,
Den zu bemerken nur ich mich gewürdigt.
So höre du auch eine Gleichnisrede,
Sie soll mir zeigen ob du weise bist.
(Vom Throne herabsteigend.)