Ein König hatte sich verirrt beim Jagen
Und fand bei einem Landmann Dach und Schutz.
Des andern Tags, zur Hofburg heimgekehrt,
Vermißt er—einen Ring, ihm wert, ja heilig,
Den er bei Nacht, man weiß nicht wie, verlor.
Da läßt verkünden er auf allen Straßen,
Daß, wer das Kleinod, seines Vaters Erbteil,
Ihm wiederbringt, belohnt mit reichen Gaben
Ihm nächst soll stehen, hoch in seiner Gunst.
Was hättest du getan, warst du der Landmann?
Primislaus. Vielleicht fühlt' ich mich durch die Tat belohnt,
Und jener Ring, als Ausdruck des Bewußtseins,
War teurer mir als selbst der höchste Lohn.
Libussa. So tat er auch, der Tor. Er gab ihn nicht.
Doch bald darauf brach aus in jener Gegend
Ein Aufstand, den veranlaßt—was weiß ich?—
Vielleicht des Königs Güte, wie so oft.
Doch jener Fürst, der nicht nur milder Vater,
Auch strenger Richter, sammelt rasch ein Heer,
Zieht gegen die Empörer und besiegt sie.
Ein Teil fällt durch das Schwert, der Überrest,
Er harrt gefangen eines gleichen Schicksals
Durch Henkershand. Da läßt der Fürst verkünden:
Der allgemeinen Strafe sei entnommen
Der einzige, der das vermißte Kleinod
Ihm wiederbringt; als Lohn für jenen Dienst,
Den er, ob Pflicht, doch seinem Herrn erwiesen.
Primislaus (lebhaft).
Nun weiß ich die Geschichte, hohe Frau!
Libussa. Was also tat der Mann, wenn's dir bekannt?
Primislaus. Er warf den Ring am Weg in einen Busch.
Unschuldig, sprach er, soll mich Unschuld schützen,
Wenn schuldig, sei die Strafe mir der Schuld.
Auf alle gleich der Fürst den Zorn entlade,
Dem Zufall dank ich nichts, noch eines Menschen Gnade.
Libussa. Weißt du was nun geschah?
Primislaus. Ich weiß es nicht.
Libussa. Der Fürst gab alle gleich dem Schwerte hin.
Verloren war der Ring, doch auch der Mann.
Ich habe mich getäuscht, du bist nicht klug,
Du kannst nicht Richter sein in diesem Land.