Die Freundin dort wird ungeduldig, scheint's.
Wir müssen eilen, denn sie will von dannen.
Mit solcher Hoffnung kam ich schwindelnd her,
Das Herz trat mir in Ohr und Aug' und Lippe,
Doch kalter Spott und rücksichtsloser Hohn
Kam mir entgegen auf des Hauses Schwelle.
Wlasta. Du dachtest dir das Weib und fandst die Fürstin.
Primislaus. Es ist die Herrschaft ein gewaltig Ding,
Der Mann geht auf in ihr mit seinem Wesen,
Allein das Weib, es ist so hold gefügt,
Daß jede Zutat mindert ihren Wert.
Und wie die Schönheit, noch so reich geschmückt,
Mit Purpur angetan und fremder Seide
Durch jede Hülle die du ihr entziehst,
Nur schöner wird und wirklicher sie selbst,
Bis in dem letzten Weiß der Traulichkeit,
Erbebend im Bewußtsein eigner Schätze,
Sie feiert ihren siegendsten Triumph.
So ist das Weib, der Schönheit holde Tochter,
Das Mittelding von Macht und Schutzbedürfnis,
Das Höchste was sie sein kann nur als Weib,
In ihrer Schwäche siegender Gewalt.
Was sie nicht fordert das wird ihr gegeben
Und was sie gibt ist himmlisches Geschenk,
Denn auch der Himmel fordert nur durch Geben.
Doch mengt der Stolz sich in die holde Mischung,
Ein scharfer Tropfen in die reine Milch,
Dann lösen sich die Teile; stark und schwach
Und süß und bitter treten auseinander,
Der Schätzung unterwerfend und Vergleichung
Was unschätzbar und unvergleichlich ist.
Selbst Wlasta du, als du noch Waffen bogst,
Mit rauher Stimme fordertest zum Kampf
Warst du nicht du, zum wenigsten kein Weib;
Doch seit die Freundin dort ins Zimmer trat,
Hat holde Scheu begeistert all dein Wesen,
Die Hand, die ich erfasse, zittert fast;
Du bist nicht stolz, wie jene Freundin scheint,
Die mit unwill'gem Fuße tritt den Boden;
So bist du schön, dein Auge, nicht mehr starr,
Es haftet milden Glanzes an dem Boden
Die Wange färbt ein mädchenhaft Erröten.
O weh! dein Haar ging los aus seinen Banden,
Als strebt' es, schamhaft selber, zu verhüllen
Den holden Wandel aus dem frühern Trotz.
Ich streich es dir zurück. Nun wieder rein,
Erkenn ich dich im Spiegel deiner Seele,
Und wäre nicht mein Herz auf andern Pfaden,
Ich sagte: Wlasta, kannst du fühlen weich?
Begreifst du daß ein Innres schmelzen muß
Um eins zu sein mit einem andern Innern?
Hoffst du, entfernt von diesem stolzen Schloß,
Zu finden wieder Demut, Milde, Schwäche?
Ist eine Hütte dir ein Königsbau,
Bewohnen Herrscher sie im eignen Hause?
Sag ja, sag ja! und stelle dich mir höher
Als deine Fürstin steht, trotz Glanz und Pracht.
(Sich niederbeugend um ihr in die Augen zu sehen. Libussa hat einige
Schritte nach vorn gemacht, wie um zu sprechen, jetzt wirft sie die
Fackel weg und geht.)
Die Fackel fiel. Laß mich!
Wlasta (die die Fackel aufgehoben hat).
Die Fürstin zürnt.
Primislaus. Wie weiß die Fürstin was wir hier beginnen?
Du schuldest Antwort mir auf meine Frage.
Ich laß dich nicht, du mußt mir Rede stehn!
Ich lösche dir die Fackel, dann im stillen
Vertraust du das Geheimnis meinem Ohr.
(Indem er wiederholt nach der Fackel greift und dadurch die Widerstrebende
nach rückwärts drängt.)