(Dobromila kommt, hinter ihr Libussa, eine Fackel tragend, vom Kopf bis zu den Füßen mit einem dichten Schleier bedeckt.)
Dobromila. Wollt ihr nicht Licht? Der Abend dämmert schon.
Ich laß euch hier der Dienrin helle Fackel.
Du aber Wlasta fördre dein Geschäft.
(Sie geht. Libussa bleibt, die Fackel emporhaltend, im Mittelgrunde gegen die linke Seite.)
Wlasta (da sie Libussa erblickt, vor sich hin).
Sie ist es selbst!
Primislaus. Scheint Wlasta doch beklommen!
Wär' sie's? O still mein ahnungsvolles Herz!
Wlasta (zu Primislaus).
Was not tut ward gesagt. Gehorche nun!
Primislaus. Ihr setzt so schnell voraus, was erst bewiesen,
Ein Unrecht bildete das auch ein Recht.
Nimm an: ich war es selbst, der einst bei Nacht
Begegnet eurer Fürstin tief im Walde,
Nimm an: daß aller Unterscheidung bar,
Sie mir erschien als Königin der Weiber,
Nicht als das Weib das selber Königin.
Der Glieder holder Reiz, der Stirne Thron,
Das Aug' das herrscht, die Lippen die befehlen,
Selbst wenn sie schweigen, ja im Schweigen mehr;
Sie riefen in die Seele mir ein Bild,
Das mich umschwebt seit meinen frühsten Tagen,
Und all mein Wesen es rief aus: sie ist's!
Ich wußte nichts von ihrem Rang und Stand
Und nichts verbot zu hoffen und zu werben.
Sie schied, es kam der Tag. Des Kleinods Pracht,
Das in der Hand statt ihrer mir geblieben,
Bezeichnete sie wohl als hoher Abkunft;
Doch ist auch Primislav nicht niedern Stamms,
Ein Enkelsohn von Helden, ob nur Pflüger.
Erst als die Sage von Libussas Unfall
Das Land durchzog, da war es plötzlich hell,
Und ich nur noch ein hoffnungsloser Tor.
Doch aus den Trümmern meines äußern Glücks
Erbaute sich im Innern mir ein neues.
Wie Trauerfaltern kreisen um das Licht,
Umflogen meine Wünsche nun das Kleinod,
Was früher Zeichen, ward jetzt Gegenstand.
Ich trug's mit mir auf meiner warmen Brust,
Ich drückt' es an das Herz, an meinen Mund,
Das Eigentum verwechselnd mit dem Eigner—
Heiß deine Freundin still die Fackel tragen,
Wir sind im Dunkeln wenn verlöscht das Licht.
Wlasta. Laß die Erzählung denn und komm zur Sache!
Primislaus. Ein Traum ist ja Erzählung und sonst nichts.
Zerstört war nun, für immer schien's, mein Hoffen.
Da taucht's auf einmal wieder blinkend auf.
Zu meiner Hütte kamen die Wladiken
Geführt von meinem Gaul, der führerlos,
Den Weg gefunden zu der frühern Heimat.
Da sprach es still in mir: Sie denkt noch dein,
Entschwunden ist ihr ganz nicht die Erinnrung
An jene Nacht, die holde Wunderzeit.
Nicht daß ich glaubte, meine Niedrigkeit
Erhöhe je mich zu der Hoheit Höhe
Nicht daß ich glaubte, die Bedingung,
Die sie gesetzt den werbenden Wladiken,
Sie würde je zum Anspruch für mich selbst;
Allein den Schatten eines flücht'gen Eindrucks,
Den müßigen Gedanken: wenn's nicht so,
Wenn's anders wäre in der Welt der Dinge,
Wenn dieser Umstand fort und jener da,
Wenn niedrig wäre hoch und wenig viel,
Dann möcht' es sein, dann könnt' es wohl geschehn!
So viel, ein Nichts, ein schwebendes Atom,
Dacht' ich mir wach in eurer Fürstin Seele.