Libussa. Da wäre ja der Schützer den ich brauche!
Du bist ein Mann, dir folgen sie wohl willig,
Sehn sie in dir das Bild doch des Geschlechts.
Hartnäckigkeit hat dich als Mann bewiesen.
Primislaus. Wenn du Beharrlichkeit statt dessen sagst,
Hast du genannt vielleicht den einz'gen Vorzug
In dem die Frau nachsieht dem festen Mann.
Libussa. Weshalb euch denn die Herrschaft auch gebührt?
Doch wär' ich nun beharrlich so wie du,
Und legte von mir dieses Landes Krone,
Und ließe die Beharrlichen beharren
In ihres Trotzes ungezähmter Gier?
Primislaus. O tu's, Libussa, tu's! Sei wieder jene
Als die du mir im Walde dort erschienst;
Der Rasenplatz dein Reich, und deine Krone
Du selbst, mit dir als Edelstein geschmückt.
Hüll wieder dich in meiner Schwester Kleider,
Dieselben die ich oft ans Herz gedrückt,
Als freilich eines andern Körpers Hülle,
Der minder schön, doch nahe mir wie du.
Siehst du? wie hart ihr seid und karg und selbstisch?
Ich gab dir alles was mein Eigentum,
Mein treues Roß, der Schwester heil'ges Erbe
(Das Geschmeide mit dem Fuße berührend.)
Und ihr, ihr marktet um den blanken Tand,
Der kaum ein Tausendteil von deinen Schätzen.
Libussa. Es ist des Vaters teures Angedenken.
Primislaus. Ich hasse deine Eltern, deine Schwestern,
Die Wurzel und den Stamm—bis auf die Blüte.
Libussa. Wohl gar auch mich?
Primislaus. Auch dich, sagt' ich beinah.
Weil ohne Worte du versprichst, und sprechend
Der Sprache deiner Anmut widersprichst.
Und dennoch warst du mein, in meiner Macht,
Als Zeuge nur die Luft und jene Bäume.
Die Tat war ehrfurchtsvoll, doch die Gedanken
Sie haben räuberisch an dir gesündigt.
Als ich aufs Pferd dich hob, bei jedem Straucheln
Dir Hilfe bot, da fühlt' ich deine Nähe.
Den unberührten Leib hab ich berührt,
Ich weiß wie warm die Pulse deines Lebens,
Und wer dich freit, wer dich von dannen führt,
Ich werd' ihm sagen: du bist nur der Zweite,
Den Vorschmack deines Glücks hab ich gefühlt.
Libussa. Ich werde zürnen wenn du achtlos sprichst.