Primislaus. Du zürnst ja schon und hast gezürnt, und Strenge
Ist all dein Wesen, bis auf jenen Tag.
Da warst du mild und lebst mir so im Herzen.

Als nun der Augenblick der Trennung kam,
Da sprach ich bang zu dir: Neig mir dein Haupt!
Und hing um deinen edlen Hals die Kette
Von der ich mir den besten Teil geraubt,
Das Kleinod das der Jungfrau Schmuck und Zier,
Das Sinnbild erster, ahnender Begegnung.
Jetzt ist es keine Kette mehr, die bindet,
Ein Gürtel, den nur Weiberhand berührt
Und anlegt um der Herrin schlanke Hüften.
Bis jener kommt, der bindet ihn und löst
Und dem ich weiche, wie einst aus dem Leben.

Libussa. Bleib hier! Ob stolz, sollst du mir dienstbar sein.
Leg an den Gürtel, hier an seinem Platz,
Und weh dem, der ihn noch nach dir berührt!
(Mit erhobener Stimme.)
Ihr aber, die gewärtig meines Winks,
Herbei! Und seht was ihr begehrt erfüllt.

(Mägde, Wladiken und Landleute treten ein. Libussa zu den Dienerinnen.)

Ihr aber helft ihm, er ist ungeschickt.

Primislaus. Ich zittre ja.

Libussa. Nun denn zum letztenmal.

(Die Dienerinnen legen ihr den Gürtel vollends an.)

Ihr andern, die besorgt um euern Freund,
Er ist hier sicher. Er ist mein Gemahl.
Dient ihm wie mir, wenn nicht noch mehr als mir,
Denn ich ich dien ihm selbst als meinem Herrn.
Ich neige mich, folgt eurer Fürstin Beispiel,

(Indem sie Primislaus' Hand ergreift und halb das Knie beugt, das Volk aber kniet, fällt der Vorhang.)