Wlasta. Du weichst mir aus; ein Zeichen daß du's fühlst.
Mein Jammer ist, daß ich die Hohe, Hehre
Muß unterwürfig sehn dem Sohn des Staubs.

Libussa. Du sprichst von Primislaus? O gutes Mädchen,
Wär' irgend Schmerz in meinem vollen Glück,
So wär' es, daß mein Gatte jeden Strahl
Der Hoheit rücklenkt auf mein eignes Haupt;
Daß wie ein Träger anvertrauter Macht,
Wie ein Verweser nur von fremdem Gut,
Er nie sich fühlt als Herr und als berechtigt.

Wlasta. Doch scheint mir was geschieht ist meist sein Wille.

Libussa. Es ist so, ja. Doch weißt du auch warum?
Er hat fast immer recht. Wir haben, Mädchen,
Die Macht geübt zu eigenem Genuß.
Wir pflückten ab die Blumen alles Guten,
Er geht vom Stamm herab bis zu der Wurzel,
Und schon des Samenkornes hat er acht.
Wir fühlten in dem fremden Glück das eigne,
Er liebt im fremden fast das fremde nur,
Das Edle selbst, das wohltut höherm Sinn,
Weist er zurück und duldet das Gemeine
Wenn allgemein der Nutzen und die Frucht.
Drum wo uns Widersetzlichkeit gedroht,
Dort findet er Gehorsam. Jeder hilft
Teilnehmend am Vollbringen, am Vollbrachten.
Es ist so schön für andere zu leben!
Lebt er für sie, warum nicht ich für ihn?

Wlasta. Doch deine Schwestern sind nicht gleichen Sinns,
Sie fühlen noch die angestammte Hoheit
Und es belästigt sie die neue Zeit.
Im Walde, wo ihr Schloß, ertönt die Axt,
Der tausendjähr'gen Eichen Stämme fallen
Zu niedrigem Gebrauch. Der Felsen Innres
Durchwühlt der Eigennutz und sprengt die Fugen,
Dem Licht verflossen seit dem Schöpfungstag,
Um Steine sich zu brechen fürs Gehöft,
Für seiner Herde schmutzige Umfriedung.
Sie aber, deine Schwestern, wollen einsam
Und ungestört vom lauten Pöbelschwarm
Dem geist'gen Anschaun leben, der Betrachtung.

Libussa. Ich sag es meinem Gatten, kehrt er wieder,
Wenn irgend möglich, stellt er's hilfreich ab.

Wlasta. Wenn möglich nur? Was wär' der Macht unmöglich?

Libussa. Das Unvernünft'ge, Kind, und was nicht billig.

Wlasta. Bezweifelst du ihr Recht und ihre Hoheit?

Libussa. Ich zweifle nicht und liebe nicht zu zweifeln.
All was sich selbst gemacht im Lauf der Dinge
Dünkt als natürlich mir zugleich im Recht.
Mein Gatte aber prüft und untersucht
Und jeder Anspruch muß ihm Rede stehn
Als allen nützlich in der Hand des einen.
Allein mich deucht er selber kehrt zurück;
Vereinen wir denn beide unsre Bitten.