Primislaus. Laß uns den Bau beginnen, wenn du's billigst,
Die Weihe sparen wir für spätre Zeit.
Libussa. Den Göttern ist der Anfang und das Ende,
Was ohne sie beginnt, vergeht beim Anfang.
Du Primislaus leb wohl! heißt das: auf kurz,
Bis wir uns wiedersehn auf lange—lange.
(Sie hat den Hügel bestiegen.)
Der Rauch steigt nicht empor, ein böses Zeichen,
Indes in mir die sonst'ge Flamme Rauch.
(Sie setzt sich.)
Der Geist erloschen und der Körper schwach.
(Ihr Haupt sinkt auf die Brust.)
Domaslav (zu Biwoy halblaut).
Mir deucht sie schläft.
Primislaus. Libussa.
Wlasta. Laß sie, laß!
Wenn du sie störst, gefährdest du ihr Leben.
Libussa. Gehütet hab ich euch dem Hirten gleich,
Der seine Lämmer treibt auf frische Weide.
Ihr aber wollt nicht mehr gehütet sein,
Wollt selbst euch hüten, Hirt zugleich und Herde.
So will's vielleicht der Gang der raschen Welt,
Das Kind wird Mann, der Mann ein Greis—und stirbt.
(Sich zurücklehnend.)
Im Geiste seh ich einen schönen Garten
Und drin zwei Menschen beiderlei Geschlechts
Und einen Göttlichen, das Bild der Güte,
Der ihnen freigibt jede Frucht und jeden Baum,
Bis nur auf einen, dessen Frucht Erkennen.
Ihr habt gegessen von dem Wissens-Baum
Und wollt euch fort mit seiner Frucht ernähren.
Glück auf den Weg! ich geb euch auf von heut.
Und eine Stadt gedenkt ihr hier zu baun;
Hervorzugehn aus euern frommen Hütten,
Wo jeder war als Mensch, als Sohn und Gatte,
Ein Wesen das er selbst und sich genug.
Nicht Ganze mehr, nur Teile wollt ihr sein
Von einem Ganzen, das sich nennt die Stadt,
Der Staat, der jedes einzelne in sich verbringt,
Statt Gut und Böse, Nutzen wägt und Vorteil
Und euern Wert abschätzt nach seinem Preis.
Aus eurem Land, das euch und sich genug,
Beglückt mit allem was das Leben braucht,
Von Bergen eingeschlossen die sein Schutz,
So daß wenn rings so Land als Meer verginge,
Es für sich selbst bestünde, eine Welt,
Wollt ihr heraus mit habbegier'gem Trachten
Und heimisch sein im Fremden, fremd zu Haus.
Seht an den Bach, so schön in seinen Ufern,
Wie alles blüht und lacht, wie froh er murmelt;
Doch strebt er weiter, weiter bis zum Strom,
Ergießt sein Wasser in die fremden Wellen,
Dann wird er breit und tief und rasch und mächtig,
Doch Diener eines andern, nicht er selbst,
Nicht mehr der Bach mit seinen klaren Wellen.
Es lösen sich der Wesen alte Bande,
Zum Ungemeßnen wird was hold begrenzt,
Ja selbst die Götter dehnen sich und wachsen
Und mischen sich in einen Riesengott;
Und allgemeine Liebe wird er heißen.
Doch teilst du deine Liebe in das All,
Bleibt wenig für den einzelnen, den nächsten,
Und ganz dir in der Brust nur noch der Haß.
Die Liebe liebt den nahen Gegenstand,
Und alle lieben ist nicht mehr Gefühl,
Was du Empfindung wähnst ist nur Gedanke,
Und der Gedanke schrumpft dir ein zum Wort,
Und um des Wortes willen wirst du hassen,
Verfolgen, töten—Blut umgibt mich, Blut,
Durch dich vergossen fremdes und von Fremden deines—
Die Meinung wird dann wüten und der Streit,
Der endlos, weil die Meinung nur du selbst
Und du der Sieger bist und der Besiegte.
Löst endlich sich die Zwietracht auf in Nichts,
Bleibt dir die Welt behaftet mit der Willkür.
Da du so lange dich in Gott gedacht,
Denkst du zuletzt den Gott nur noch in dir.
Der eigne Nutzen wird dir zum Altar
Und Eigenliebe deines Wesens Ausdruck.
Dann wirst du weiterschreiten fort und fort,
Wirst Wege dir erfinden, neue Mittel
Für deinen Götzendienst, dem gier'gen Bauch
Und der Bequemlichkeit zur eklen Nahrung.
Durch unbekannte Meere wirst du schiffen,
Ausbeuten was die Welt an Nutzen trägt,
Und allverschlingend sein vom All verschlungen.