Nicht mehr mit blut'gen Waffen wird man kämpfen,
Der Trug, die Hinterlist ersetzt das Schwert.
Das Edle schwindet von der weiten Erde,
Das Hohe sieht vom Niedern sich verdrängt.
Und Freiheit wird sich nennen die Gemeinheit,
Als Gleichheit brüsten sich der dunkle Neid.
Gilt jeder nur als Mensch, Mensch sind sie alle,
Krieg jedem Vorzug heißt das Losungswort.
Dann schließen sich des Himmels goldne Pforten,
Begeisterung und Glauben und Vertraun
Und was herabträuft von den sel'gen Göttern
Nimmt nicht den Weg mehr zu der flachen Welt.
Im Leeren regt vergebens sich die Kraft
Und wo kein Gegenstand da ist kein Wirken.
Laßt mich herab! ich will nicht weiter forschen,
Die Sinne schwindeln und der Geist vergeht.

Primislaus. Libussa komm zu uns! Ich seh's, du leidest,
Und unser Werk—wir geben's auf von heut.

Libussa. Baut eure Stadt, denn sie wird blühn und grünen.
Wie eine Fahne einigen das Volk.
Und tüchtig wird das Volk sein, treu und bieder,
Geduldig harrend bis die Zeit an ihm.
Denn alle Völker dieser weiten Erde,
Sie treten auf den Schauplatz nach und nach:
Die an dem Po und bei den Alpen wohnen,
Dann zu den Pyrenäen kehrt die Macht.
Die aus der Seine trinken und der Rhone,
Schauspieler stets, sie spielen drauf den Herrn.
Der Brite spannt das Netz von seiner Insel
Und treibt die Fische in sein goldnes Garn.
Ja selbst die Menschen jenseits eurer Berge,
Das blaugeaugte Volk voll roher Kraft,
Das nur im Fortschritt kaum bewahrt die Stärke,
Blind wenn es handelt, ratlos wenn es denkt,
Auch sie bestrahlt der Weltensonne Schimmer
Und Erbe aller Frühern glänzt ihr Stern.
Dann kommt's an euch, an euch und eure Brüder,
Der letzte Aufschwung ist's der matten Welt.
Die lang gedient sie werden endlich herrschen,
Zwar breit und weit, allein nicht hoch noch tief;
Die Kraft, entfernt von ihrem ersten Ursprung,
Wird schwächer, ist nur noch erborgte Kraft.
Doch werdet herrschen ihr und euern Namen
Als Siegel drücken auf der künft'gen Zeit.
Doch bis dahin ist's lang. Was soll ich hier?
Ihr habt gelernt Begeisterung entbehren,
Ihr fragt den Geist und gebt die Antwort selbst.
Ich sehe meinen Vater, meine Mutter,
Sie ziehen fort und lassen mich allein.
Auch diese Flamme, seht nur, sie erlischt,
Und statt der Glut umnebeln mich die Dämpfe,
Sonst ungewohnt und nun belastend mich.

(Da die oben stehende Dienerin die Flamme anfachen will.)

Laß nur! Die Flamme lischt, ich fühl es wohl.

Primislaus. Laßt mit Gewalt sie uns vom Altar reißen,
Ihr teures Dasein, fürcht ich, ist bedroht.

Libussa (aufstehend).
Hört ihr? Das sind der Schwestern Wanderschritte.
Ihr habt vom Wischehrad sie ausgetrieben,
Sie ziehen fort und lassen mich allein.
Was soll ich noch, die Eltern-, Schwestern-lose?
Euch selber bin ich nur die Märchen-Kund'ge,
Auf die ihr hört so weit es euch gefällt,
Und handelt wie's euch eingibt eigne Lust.
Ich aber rede Wahrheit, Wahrheit, nur verhüllt
In Gleichnis und in selbstgeschaffnes Bild.

Da kommen sie die Schwestern, die Vertriebnen,
Sie fliehn vor euch wie ihr vor ihnen floht.

(Kascha und Tetka, von ihren Jungfrauen paarweise begleitet, kommen über eine Anhöhe im Hintergrunde.)

Libussa. So zieht ihr fort?