Medea.
So sprich!

Gora.
Was ich vorhergesagt, es ist geschehen!
Kaum ist's ein Mond, daß euch das Meer von sich stieß,
Unwillig, den Verführer, die Verführte,
Und schon flieht euch die Welt, folgt euch der Abscheu.
Ein Greuel ist die Kolcherin dem Volke,
Ein Schrecken die Vertraute dunkler Mächte,
Wo du dich zeigst weicht alles scheu zurück
Und flucht dir. Mög' der Fluch sie selber treffen!
Auch den Gemahl, der Kolcherfürstin Gatten,
Sie hassen ihn um dein-, um seinetwillen.
Der Oheim schloß die Tür ihm seines Hauses,
Die eigne Vaterstadt hat ihn verbannt,
Als jener Oheim starb, man weiß nicht wie,
Kein Haus ist ihm, kein Ruhplatz, keine Stätte:
Was denkst du nun zu tun?

Medea.
Ich bin sein Weib!

Gora.
Und denkest nun zu tun?

Medea.
Zu folgen ihm
In Not und Tod.

Gora.
In Not und Tod, ja wohl!
Aietes' Tochter in ein Bettlerhaus!

Medea.
Laß uns die Götter bitten um ein einfach Herz,
Gar leicht erträgt sich dann ein einfach Los!

Gora (grimmig lachend).
Haha! Und dein Gemahl?

Medea.
Es tagt. Komm fort!

Gora.
Weichst du mir aus? Ha, du entgehst mir nicht!
Der einz'ge lichte Punkt in meinem Jammer
Ist, daß ich seh, an unserm Beispiel seh,
Daß Götter sind und daß Vergeltung ist.
Bewein dein Unglück und ich will dich trösten,
Allein verkennen sollst du's frevelnd nicht
Und leugnen die Gerechtigkeit da droben,
Da du die Strafe leugnest, deinen Schmerz.
Auch muß ein Übel klar sein, will man's heilen!
Dein Gatte, sprich! ist er derselbe noch?