(Der Vorhang fällt.)

Vierter Aufzug

(Vorhof vor Kreons Burg wie im vorigen Aufzuge. Abenddämmerung.) (Medea liegt hingestreckt auf die Stufen, die zu ihrer Wohnung führen. Gora steht vor ihr.)

Gora.
Steh auf Medea und sprich!
Was liegst du da, starrst schweigend vor dich hin?
Steh auf und sprich!
Rate unserm Jammer!

Medea.
Kinder! Kinder!

Gora.
Fort sollen wir, eh' dunkelt die Nacht,
Und schon senkt sich der Abend.
Auf! Rüste dich zur Flucht!
Sie kommen, sie töten uns!

Medea.
O meine Kinder!

Gora.
Steh auf, Unglückselige
Und töte mich nicht mit deinem Jammer!
Hätt'st mir gefolgt, mich gehört,
Wären wir daheim in Kolchis,
Die Deinen lebten, alles wär' gut.
Steh auf! Was hilft Weinen? Steh auf!

Medea (sich halb aufrichtend und nur mit den Knien auf den Stufen
liegend).
So kniet' ich, so lag ich,
So streckt' ich die Hände aus,
Aus nach den Kindern und bat
Und flehte: Eines nur,
Ein einziges von meinen Kindern—
Gestorben wär' ich, mußt' ich das zweite missen!—
Aber auch das eine nicht!—Keines kam.
Flüchtend bargen sie sich im Schoß der Feindin

(aufspringend)