Phaon.
So wär' sie doch was ich zu glauben scheute?
Komm her, Melittion, an meine Seite!
Du sollst nicht zu ihr flehn! Vor meinen Augen
Soll dich die Stolze nicht beleidigen,
Du sollst nicht flehn! Sie kennt nicht deinen Wert,
Nicht ihren, denn auf ihren Knien würde
Sie sonst, die Schuld der Unschuld, stumm dir huld'gen!
Hierher zu mir, hierher!

Melitta.
Nein laß mich knien
Wie's wohl dem Kinde ziemt vor seiner Mutter,
Und dünkt ihr Strafe recht, so strafe sie,
Ich will nicht murren wider ihren Willen!

Phaon.
Nicht dir allein auch mir gehörst du an,
Und mich erniedrigst du durch diese Demut.
Noch gibt es Mittel das uns zu erzwingen
Was sie der Bitte störrisch-rauh versagt.

Melitta.
O wär' es auch, mich freut nur ihre Gabe,
Erzwungen wäre mir das höchste Glück zur Last!
Hier will ich knien, bis mir ein milder Blick,
Ein gütig Wort, Verzeihung angekündigt.
Wie oft schon lag ich hier an dieser Stelle
Und immer stand ich freudig wieder auf;
Sie wird mich diesmal weinend nicht entlassen!
Blick auf dein Kind hernieder, teure Frau!

Sappho (steht, das Gesicht auf Eucharis' Schulter gelehnt).

Phaon.
Kannst du sie hören und bleibst kalt und stumm!

Melitta.
Sie ist nicht kalt, und wenn auch schweigt ihr Mund
Ich fühl ihr Herz zu meinem Herzen sprechen!
Sei Richter, Sappho, zwischen mir und ihm!
Heiß mich ihm folgen und ich folge ihm,
Heiß mich ihn fliehn—o Götter!—alles—alles!
Du zitterst!—Sappho, hörest du mich nicht?

Phaon (Melitten umschlingend und ebenfalls hinkniend).
Den Menschen Liebe und den Göttern Ehrfurcht,
Gib uns was unser, und nimm hin was dein!
Bedenke was du tust, und wer du bist!

Sappho (fährt bei den letzten Worten empor und blickt die Knienden mit einem starren Blicke an, wendet sich dann schnell ab, und geht).

Melitta.
Weh mir sie flieht, sie hat ihr Kind verstoßen!