(Sappho ab. Eucharis und Dienerinnen folgen.)
Vierter Auftritt
Vorige ohne Sappho und Eucharis.
Phaon.
Steh auf, mein Kind! Zu Menschen flehe nicht,
Noch bleiben uns die Götter und wir selbst!
Melitta.
Ich kann nicht leben, wenn sie mich verdammt!
Ihr Auge war von jeher mir der Spiegel
Vor dem ich all mein Tun und Fühlen prüfte!
Er zeigt mir jetzt die eigne Ungestalt!
Was muß sie leiden die gekränkte Frau!
Phaon.
Du leihst ihr dein Gefühl! Ganz andre Wogen
Erheben sich in dieser Stolzen Brust!
Melitta.
Scheint sie auch stolz, mir war sie immer gütig,
Wenn oft auch streng, es barg die scharfe Hülle
Mir immer eine süße, holde Frucht!
Weh mir, daß ich das je vergessen konnte!
Rhamnes.
Jawohl, weh dir, daß du es je vergessen!
Phaon.
Was zittert ihr, kennt ihr sie gar so mild?
Rhamnes.
Sie zürnte, als sie ging, und ohne Schranken,
Wie ihre Liebe ist ihr Zorn!—Drum weh euch!