Weh ich vergesse hier mich selber noch
Und sie und Eltern und—
O meine Eltern!
Muß ich erst jetzt, jetzt eurer mich erinnern!
Konnt' ich so lang euch ohne Botschaft lassen?
Vielleicht beweint ihr meinen Tod, vielleicht
Gab des Gerüchtes Mund euch schon die Kunde,
Daß euer Sohn, den ihr zu lieben nicht,
Den ihr zum Kampfe nach Olympia sandtet,
In Sapphos Arm—
Wer wagt es sie zu schmähn!
Der Frauen Zier, die Krone des Geschlechts!
Mag auch des Neides Geifer sie bespritzen,
Ich steh für sie, sei's gegen eine Welt!
Und selbst mein Vater, sieht er sie nur erst,
Gern legt er ab das alte Vorurteil,
Das frecher Zitherspielerinnen Anblick
Mit frommer Scheu ihm in die Brust geprägt.
(In Gedanken versinkend.)
Wer naht?—der laute Haufen dringt hierher.
Wie widerlich!—Schnell fort!—Wohin?—Ah hier!
(Geht in die Grotte.)

Zweiter Auftritt

Eucharis. Melitta. Sklavinnen mit Blumen und Kränzen.

Eucharis (lärmend).
Ihr Mädchen auf! Mehr Blumen bringt herbei!
Zu ganzen Haufen Blumen. Schmückt das Haus
Und Hof und Halle, Säule Tür und Schwelle,
Ja selbst die Blumenbeete schmückt mit Blumen!
Tut Würze zum Gewürz; denn heute feiert
Das Fest der Liebe die Gebieterin.

Mädchen (ihre Blumen vorweisend).
Hier sieh!

(Sie fangen an die Säulen und Bäume umher mit Kränzen und
Blumenketten zu behängen.)

Eucharis.
Recht gut, recht gut! Doch du Melitta,
Wo hast du Mädchen deine Blumen?

Melitta (ihre leeren Hände betrachtend).
Ich?

Eucharis.
Ja du!—Ei seht mir doch die Träumerin!
Kommst du allein hierher mit leeren Händen?

Melitta.
Ich will wohl holen—