Eucharis.
Ich will holen, spricht sie
Du kleine Heuchlerin bekenne nur
Was hast du denn? Was war das heut bei Tisch,
Daß die Gebieterin so oft nach dir
Mit leisem Lächeln schlau hinüberblickte
Und dann die Augen spottend niederschlug?
Sooft sie's tat sah ich dich heiß erröten,
Und mit dem Zittern peinlicher Verwirrung
Des oftversehnen Dienstes dich vergessen.
Und als sie nun dich ruft, den großen Becher
Dem schönen Fremden zu kredenzen und
Du scheu den Rand durch deine Lippen ziehst,
Da rief sie plötzlich aus: Die Augen nieder!
Und ach des großen Bechers halber Inhalt
Ergoß mit eins sich auf den blanken Estrich.
Da lachte Sappho selbst! Was war das alles?
Bekenne nur, da hilft kein Leugnen, Mädchen.

Melitta.
O laßt mich!

Eucharis.
Nichts da, ohne Gnade Kind!
Den Kopf empor, und alles frisch bekannt!
O weh, da quillt wohl gar ein kleines Tränchen!—
Du arges Ding! Ich sage ja nichts mehr!
Doch weine nicht! Wenn du's so öfters treibst,
So werd ich noch so böse—Weine nicht!—
Sind eure Blumen alle? Nun so kommt,
Wir wollen neue holen!—Setz dich hin,
Hier sind noch Rosen, hilf uns Kränze winden.
Sei fleißig Kind! Doch, hörst du? Weine nicht!

(Mit den Mädchen ab.)

Dritter Auftritt

Melitta (allein. Sie setzt sich auf die Rasenbank und beginnt einen
Kranz zu flechten. Nach einer Weile schüttelt sie schmerzlich das
Haupt, und legt das Angefangene neben sich hin).

Es geht nicht!—Weh, der Kopf will mir zerspringen
Und stürmisch pocht das Herz in meiner Brust!

Da muß ich sitzen einsam und verlassen,
Fern von der Eltern Herd im fremden Land,
Und Sklavenketten drücken diese Hände,
Die ich hinüberstrecke nach den Meinen.
Weh mir, da sitz ich einsam und verlassen,
Und niemand höret mich und achtet mein!

Mit Tränen seh ich Freunde und Verwandte
Den Busen drücken an verwandte Brust;
Mir schlägt kein Busen hier in diesem Lande,
Und meine Freunde wohnen weit von hier.
Ich sehe Kinder um den Vater hüpfen,
Die fromme Stirn, die heil'gen Locken küssen,
Mein Vater lebt getrennt durch ferne Meere,
Wo ihn nicht Gruß und Kuß des Kinds erreicht!
Sie tun wohl hier so, als ob sie mich liebten,
Und auch an sanften Worten fehlt es nicht,
Doch ist es Liebe nicht, 's ist nur Erbarmen,
Das auch der Sklavin milde Worte gönnt;
Der Mund, der erst von Schmeicheln überflossen,
Er füllt sich bald mit Hohn und bitterm Spott!

Sie dürfen lieben, hassen, was sie wollen,
Und was das Herz empfindet, spricht die Lippe aus,
Sie zieret Gold und Purpur und Geschmeide,
Nach ihnen wendet staunend sich der Blick;
Der Sklavin Platz ist an dem niedern Herde,
Da trifft kein Blick sie, ach und keine Frage,
Kein Auge, kein Gedanke und kein Wunsch!—