Ich will sie sehn die wundervolle Schönheit,
Die solchen Siegs sich über Sappho freut!
Was soll ich glauben? Lügt denn mein Gedächtnis,
Das, wenn ich's frage, mir ein albern Kind
Mit blöden Mienen vor die Sinne bringt.
Mit Augen, die den Boden ewig suchen,
Mit Lippen, die von Kinderpossen tönen,
Und leer der Busen, dessen arme Wellen
Nur Lust zu spielen noch und Furcht vor Strafe
Aus ihrer dumpfen Ruhe manchmal weckt.
Wie? oder meinem Aug entging wohl jener Reiz
Der ihn so mächtig zieht in ihre Nähe?—
Melitta!—Ja, ich will sie sehn!—Melitta!—
Dritter Auftritt
Eucharis. Sappho.
Eucharis.
Befiehlst du hohe Frau?
Sappho.
Melitten rief ich.
Wo ist sie?
Eucharis.
Wo? auf ihrer Kammer, denk ich.
Sappho.
Sucht sie die Einsamkeit!—Was macht sie dort?
Eucharis.
Ich weiß nicht. Aber seltsam ist ihr Wesen,
Und fremd ihr Treiben schon den ganzen Tag.
Des Morgens war sie still und stets in Tränen,
Doch kurz nur erst traf ich sie heitern Blicks,
Mit Linnen ganz beladen und mit Tüchern,
Wie sie hinabging zu dem klaren Bache,
Der kühl das Myrtenwäldchen dort durchströmt!
Sappho.
Sie freut sich ihres Siegs! Nur weiter, weiter!
Eucharis.
Neugierig zu erfahren was sie suche,
Schlich leis ich ihr ins stille Wäldchen nach.
Da fand ich sie—