Sappho.
Mit ihm?

Eucharis.
Mit wem?

Sappho.
Nur weiter!

Eucharis.
Ich fand sie dort im klaren Wasser stehn.
Die Kleider lagen ringsumher am Ufer
Und hoch geschürzt—sie dachte keines Lauschers—
Wusch, mit den kleinen Händen Wasser schöpfend,
Sie sorgsam reibend Arme und Gesicht,
Die von dem Schein der Sonne durch die Blätter,
Von ihrem Eifer und der rauhen Weise,
Mit der die Kleine eilig rasch verfuhr,
In hellem Purpur feurig glühten.
Wie sie da stand, für eine ihrer Nymphen,
Der jüngsten eine, hätte sie Diana—

Sappho.
Erzählung wollt' ich hören, und nicht Lob!

Eucharis.
Als nun des Bades langes Werk vollbracht,
Getrocknet Angesicht und Brust und Wange,
Ging fröhlich singend sie ins Haus zurück,
Also vertieft und so in sich verloren,
Daß sie der Blätter, die ich aus dem Dickicht
Nach ihr warf, sie zu schrecken, nicht gewahrte.
Hier angelangt trat sie in ihre Kammer,
Schloß ab, und was sie schafft das weiß ich nicht.
Nur hört' ich sie in Schränken emsig suchen,
Dazwischen tönte heiterer Gesang!

Sappho.
Sie singt und Sappho—nein, ich weine nicht!
Bring sie zu mir!

Eucharis.
Melitten?

Sappho.
Ja, wen sonst?—
Melitten!—Ach ein süßer, weicher Name,
Ein ohrbezaubernd liebevoller Name!
Melitta—Sappho!—Geh bring sie zu mir!

(Eucharis ab.)